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21. März 2004
Live Music Hall - Köln
Support: Drew
Noch eine halbe Stunde bis zum Einlass. Plötzlich
bahnen sich drei nassgeschwitzte Jogger mit einem
zaghaften "Excuse me..." ihren Weg durch
die Schlange vor der Halle. Würde ich mich
etwas mehr mit Musikern und nicht immer nur mit
ihrem Werk beschäftigen, hätte ich vermutlich
sofort gewusst, wer da nur wenige Meter entfernt
an mir vorbeigehuscht ist. So aber erkenne ich
die Sportskameraden erst um 21 Uhr 05 wieder:
Diesmal tragen sie lange Hosen und stehen auf
der Bühne - als Bandmitglieder von Belle
& Sebastian.
Aber immer schön langsam, es gab schließlich
auch eine Vorband. Die heißt Drew und veröffentlicht
in Kürze ihr Debütalbum "Songs
From The Devil's Chimney". Das Cover dieser
LP ziert das - wer in Englisch bei den "irregular
verbs" aufgepasst hat, wird die Verknüpfung
zum Bandnamen problemlos verstehen - gezeichnete
(!) Konterfei des Sängers. Der heißt
passenderweise auch Drew, kommt von der Isle of
Wight und hätte frisurtechnisch bei einem
Liam Gallagher-Look-A-Like-Wettbewerb beste Siegeschancen.
Mit ihm stehen ein Schlagzeuger, ein Keyboarder
und drei Gitarristen auf der Bühne. "This
is our first time in Germany", sagt Drew
leise und man kann gar nicht anders, als ihn und
seine fünf Freunde zu mögen. Die Songs
sind genau so nett wie die Typen und bewegen sich
40 Minuten lang auf gehobenem Badly Drawn Boy-B-Seiten-Niveau,
was durchaus als Kompliment verstanden werden
darf. Zum Schluss machen die Jungs noch ein paar
Fotos für's Familienalbum und verabschieden
sich mit "Goodbye For Now" - bei dieser
Band ist halt drin, was draufsteht.
Nun zu Belle & Sebastian, einer Gruppe, die
in der Vergangenheit gern mit Interviews und Liveauftritten
geizte. 'Die sind bestimmt fürchterlich schüchtern
und publikumsscheu, sagen nur kurz "Hallo",
spulen dann ihr Programm ab und fertig', könnte
man denken. Aber weit gefehlt! Stuart Murdoch
und sein Gefolge erweisen sich als äußerst
gesprächige und charmante Gastgeber: "People
in the back: Do you see anything? Do you hear
anything? Do you understand English?", fragt
Stuart besorgt und spitzbübisch zugleich.
Musikalisch gibt es eine nette Mischung aus Material
von "Tigermilk" bis "Dear Catastrophe
Waitress", immer wieder angereichert durch
nette Streicher- und Bläsereinlagen. Als
Stevie Jackson "I'm Waking Up To Us"
selbstironisch als "flop single from 2001"
ankündigt, hält Stuart Murdoch wie so
oft an diesem Abend schlagfertig dagegen: "In
my head, it was a hit. It was on top of the charts
for thirteen weeks...". Na dann.
Ungefähr in der Mitte ihres Programms sind
Belle & Sebastian dann richtig in Plauderlaune
und suchen jemanden aus dem Publikum, der sich
einen Song wünscht und ihn dann möglichst
selbst auf der Bühne zum Besten gibt. "The
Loneliness Of A Middle Distance Runner" möchte
da einer singen. "Too difficult", antwortet
Murdoch, "even I couldn't sing it."
Und eigentlich soll's an dieser Stelle ja auch
ein Titel einer anderen Band sein. "The Boy
With The Thorn In His Side" lautet der nächste
Wunsch. "That's a good one, do you have the
lines?" Fehlanzeige - verständlicherweise.
Also keine Smiths-Coverversion, schade. Aber dann
blökt irgendwer in der ersten Reihe "Live
Forever" und Stevie Jackson kommt plötzlich
richtig in Fahrt. Nach anfänglichem Zögern
("there's a ban on this band") imitiert
er in typischer Liam-Pose dessen nasalen Gesang:
"Maybe, I don't really wanna know, how your
garden grows..." Währenddessen erarbeitet
er sich Stück für Stück die notwendigen
Akkorde auf seiner Gitarre, um wenig später
unterstützt von seinen Bandkollegen noch
einmal von vorne und etwas ernsthafter loszulegen.
Grandios: Da verarschen Belle & Sebastian
einen meiner liebsten Oasis-Songs - und ich find's
klasse. Was für eine Einlage!

In der zweiten Konzerthälfte folgen dann
noch Hochkaräter wie "Like Dylan In
The Movies" (Vielen Dank dafür!) und
"Sleep The Clock Around". Dieser Song
- leider der einzige vom "The Boy With The
Arab Strap"-Album - bildet schließlich
den fulminanten Abschluss des regulären Sets.
Aber die ausverkaufte Live Music Hall verlangt
natürlich noch eine Zugabe und so machen
Murdoch & Co. mit "She's Losing It"
und "You're Just A Baby" 120 wundervolle
Konzertminuten komplett. Wenn ihr also in Zukunft
leichtbekleidete Schotten durch Köln-Ehrenfeld
flitzen seht, dann freut euch: Belle & Sebastian
sind wieder im Land...
(af)
Net: www.belleandsebastian.co.uk
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