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Support: Fettes Brot
12. Dezember 2003 Chemnitzarena
- Chemnitz
16. Dezember 2003 VW-Halle -
Braunschweig
19. Dezember 2003 Color Line
Arena - Hamburg
20. Dezember 2003 Festhalle -
Frankfurt
21. Dezember 2003 Schleyerhalle
- Stuttgart
Vorweihnachtliche Hochstimmung: Die Ärzte
tourten und stellten auf elf Konzerten ihr neues
Album "Geräusch" vor. Auf fünf
Konzerten war ich dabei.
Hey Schiff, was hast' denn heute Abend vor?!
Gespannt wartend kamen die ausverkauften Hallen
zunächst in den Genuss der Besten Vorgruppe
der Welt: Fettes Brot. Und da Punkrocker ein Herz
für HipHopper haben, erhielten diese mehr
als respektvollen Applaus. Erstaunlich viele Texte
wurden mitgesungen und die Sprüche der drei
Hamburger wurden auch von Show zu Show besser.
Neben neuen Stücken spielten Fettes Brot
auch Klassiker wie "Jein", inklusive
klasse Gitarrensolo. Bei "Schwule Mädchen/Radio
brennt" war es an der Zeit, dass das Publikum
gemeinsam mit Fettes Brot so langsam durchdrehte.
Die Vorfreude auf die Beste Band der Welt stieg
ins Unermessliche.
Wenn in der Hölle kein Platz mehr ist, kommen
die Ärzte nach Karl-Marx-Stadt
Nach dem gut halbstündigen Auftritt von
Fettes Brot sahen die Besucher während des
Umbaus zunächst nur auf zwei Ärzte-"ä"s,
die von einem die Bühne komplett verdeckenden
schwarzen Vorhang leuchteten. Schaurige erste
Klänge von "Nicht allein" und die
monotone Stimme Farin Urlaubs durchdrangen kurze
Zeit später die Hallen. Ein kleiner Vorhang
fiel in der Mitte und die Fans begannen zu toben.
Bela, Farin und Rod waren zunächst jedoch
nur durch einen kleinen Bühnenausschnitt,
zu sehen. Mittlerweile leuchteten die Ärzte-"ä"s
spendierhosenblau und das Publikum flippte bei
"2000 Mädchen" und "Richtig
schön evil/Polizei SA/SS" komplett aus.
Bei "Hurra" fiel schließlich der
gesamte Vorhang und das Ärzte-Spektakel begann.
Schon mal was von Bela, Farin und Rod gehört?
Die Ärzte brachten die Stimmung in ihrer
mehr als dreistündigen Show wie immer gekonnt
auf viele Höhe- und Tiefpunkte. Sie spielten
reichlich Songs aus ihrem aktuellen Album "Geräusch"
und die Fans waren bei "Deine Schuld"
und "T-Error" genauso textsicher wie
bei "Geld" oder "Der Optimist".
Bela trat während seiner Songs oft an den
Bühnenrand, um gemeinsam mit den Fans zu
singen.
Zum Toben und Pogen gab's "Grace Kelly",
"Bravopunks" und "Gib mir Zeit",
letzteres unterstützt von vielen brennenden
Verstärkern. Viel Leuchtfeuer auf der Bühne
brannte auch bei "Geisterhaus". Von
Rod war dabei eines der schönsten Gitarrensoli
des Abends zu hören, das zweite folgte kurze
Zeit später in "Nichts in der Welt"
von Farin (vielleicht war es auch andersherum...).
Beide wechselten nur einmal, bei "Anti-Zombie"
und "Geisterhaus", ihre Bühnenseiten
und Instrumente. In Hamburg tauschten die Ärzte
dafür bei "Motherfucker 666" die
Tempi von Refrain und Strophe und das Publikum
hopste umgekehrt vergnügt weiter. Viel häufiger
als auf früheren Konzerten wurden auf dieser
Tour Songs von Rod gespielt. Außer am Bass
und an der Gitarre war er auch am Flügel
zu sehen.
Einer der Höhepunkte für mich war natürlich
wie immer "Rebell". Unvergleichbar.
Die politischen Aussagen der Ärzte haben
sich in den letzten Jahren deutlich konkretisiert.
Direkt sprachen sie sich bei diesen Auftritten
gegen die Politik von George Bush, Roland Koch
und Ronald Schill aus. Begleitet von anhaltendem
Applaus des Publikums.
Nach einer Stunde, also nach den ersten zehn Minuten
laut Zeitrechnung der Ärzte, waren noch lange
keine Zugaben abzusehen. Das Publikum sang und
feierte Belafarinrod und diese waren an allen
Abenden sichtlich zufrieden mit ihren Auftritten.
Es ist nicht Deine Schuld,
dass die Welt ist, wie sie ist,
es wär nur Deine Schuld,
wenn sie so bleibt
Allerdings war die Stimmung je nach Stadt leicht
unterschiedlich. In Chemnitz freute sich das Publikum
zunächst besonders, wenn die Ärzte ihre
Stadt "Karl-Marx-Stadt" nannten. Allerdings,
liebe Karl-Marx-Städter: Pogo tanzen ist
gut und schön und wichtig im Leben, aber
das, was bei euch abging entsprach zwar dem Namen
der Tour, war jedoch sehr nervig!
Mit dem Pogotanzen vertrauter, dafür das
ruhigste Publikum der Welt war Braunschweig. Es
war so ruhig, dass die Ärzte mehrmals fragen
mussten, ob man sie denn auch hören könne.
Viel zu oft forderten sie die Fans zum Mitklatschen
auf, in Chemnitz, Hamburg und Stuttgart völlig
unnötig. Aber Braunschweig blieb so ruhig,
dass sogar die meisten Ansagen verstanden werden
konnten.
Die schlechteste Veranstaltungsorganisation bot
Frankfurt. Hier wurden die Fans schon v o r der
Halle umgerannt. Ganz anders in Hamburg, wo die
Orga perfekt klappte und das Publikum zudem die
schönste La Ola bot. Unnötig zu erwähnen,
dass diese in Braunschweig nicht klappte. Die
Ärzte fühlten sich daraufhin genötigt,
eine Drei-Mann-La-Ola vorzuführen ... was
sehr sehr geil war. Oder anders ausgedrückt:
So zum Horst haben sich selbst die Ärzte
selten gemacht! Ja! Und ich hab's gesehen!
Der Altersdurchschnitt der Konzertbesucher war
vor allem in Chemnitz erstaunlich jung. Es ist
allerdings nicht die Schuld der Ärzte oder
der jungen Fans, dass das Publikum so ist wie
es ist. Es ist die Schuld der Zu-Hause-Gebliebenen,
die sich nicht mehr auf Ärzte-Konzerte trauen,
weil sie schon über dreißig sind.
In jeder Stadt wurde die Playlist etwas erweitert.
Beim Heimspiel in Hamburg traten zu Beginn Fettes
Brot gemeinsam mit Bela und dem Anti-Schill-Song
"Tanzverbot" auf. Hamburg durfte zu
"Elke" rocken und Frankfurt zu "Ohne
dich" und "Teenagerliebe". Intonierter
Lokalkolorit hieß in Hamburg "Auf der
Reeperbahn" und in Stuttgart "Die da!".
"Ihr könnt ja gut singen!"
Sichtlich begeistert waren die Ärzte vom
Frankfurter Publikum, denn die erste Zugabe "Dinge
von denen" wurde nie so schön gesungen
wie hier!
Sparsame, aber pointiert eingesetzte Lichteffekte
verbreiteten bei allen Songs die gewünschte
Stimmung. So bewegten während des Refrains
bei "Unrockbar" türkis-strahlende
Fluter optisch die Bühne. Ein Lauflicht an
der Bühnendecke diente verschiedenen Lichteffekten
sowie treffenden Kommentaren. Bei dem krachend
mit einer Explosion begonnenen "Schrei nach
Liebe" erschien hier im Refrain ein Hakenkreuz,
das via Lichteffekt zertrümmert und mit dem
großbuchstabigen Laufschrift "ARSCHLOCH!"
ersetzt wurde. In Stuttgart diente das Lauflicht
auch Situationsbeschreibungen auf der Bühne
("Farin steht jetzt da" ).
"Ein verrücktes Leben auf Tour!"

Die Show wurde kurz durch den Umbaupause-Einspieler
der Rock `n` Roll Realschule mit Farins und Belas
Stimmen aus dem Off unterbrochen und kurze Zeit
später jubelten die Fans über den Unplugged-Teil
als zweite Zugabe. In Schuluniformen, mit Uniform-Gwendoline-Deko,
Akustikinstrumenten und Nasenflöte kehrten
die Ärzte auf die Bühne zurück
und spielten ihre drei Unplugged-Klassiker "Langweilig",
"Medley" und "Monsterparty".
Dieser Teil des Konzerts glänzte durch hochgradig
musikalische Virtuosität und gewohnt bodenlosen
Schwachsinn. Ein klassisches Ärzte-Konzert
eben.
In Chemnitz variierten die Ärzte anlässlich
des achtundachtzigsten Geburtstags Frank Sinatras
ihre Songs mit Einwürfen aus Evergreens des
verstorbenen Entertainers. Sich selbst übertroffen
und ihr Publikum restlos glücklich gemacht
haben die Ärzte in Stuttgart, als ein bühnentechnisches
Problem sie im Unplugged-Teil zur Improvisation
zwang und der Song über das Crewmitglied
Willi entstand. Jodelnde Ärzte, die Fans
verzückt, einfach nur fantastisch und zum
Glück downloadbar auf kill-them-all. Das
"Konzert für Nasenflöte, Willi
und Orchester" folgte, mit zelebrierten Nasenflöten-Einsätzen,
angedeuteten Grönemeyer-Songs und vielen
weisen Worten.
Und im dritten Zugabenblock "Nordisch by
Nature" vs. "FaFaFa" gemeinsam
mit Fettes Brot, die Ärzte spielten und Fettes
Brot sangen bis der Punkrock den Rap schließlich
von der Bühne vertrieb. In Stuttgart gab's
dafür von Fettes Brot noch "Wie ein
Kind" als Extra-Zugabe.
Zum Schluss bat Bela das Publikum, für ihn
"Manchmal haben Frauen" zu singen, da
er den Text aufgrund seines zunehmenden Alters
ständig vergesse. Nach "Westerland"
riefen die Ärzte diesmal selbst und parodierten
damit die sonst vom Publikum ausgehenden Forderungen.
Mit "Zu spät", dem Schlusssong
schlechthin, der in Hamburg über 20 Minuten
andauerte, endeten die wieder mal Besten Konzerte
der Welt unter tosendem Beifall.
Fünf Konzerte, fünf Städte, fünf
Publikümmer. Beim Hochziehen des Vorhangs
mit den zwei weißen "ä"s
kreischten Chemnitz, Hamburg, Frankfurt und Stuttgart,
Braunschweig blieb stumm. Lieblingslieder der
Ärzte sind "Angeber" und "Ist
das alles?". Das spielen sie immer. Farin
forderte in Frankfurt für seinen Auftritt
bei "WAMMW" Rosen, in Stuttgart bekam
er sie. Der Unplugged-Teil wurde hier ohne Akustikinstrumente,
dafür mit Willi gespielt. Und statt Willi
gab's in Hamburg "We will, we will Monsterparty!"
Und ich kaufe mir jetzt eine CD von Fettes Brot,
um mich immer wieder an die wahnsinnig geile Ärzte-Tour
zu erinnern.
Wir sehen uns nächstes Jahr in der Wuhlheide!
(sf)
Net_1: www.bademeister.com
Net_2: www.fettesbrot.de
Net_3: www.kill-them-all.de
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