Vor Ort                         


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  Trashing days in Kölle    
Miriam Osterrieder (Console live!)
 

Das absolute Highlight und den krönenden Abschluss des ersten Abends bildete natürlich Console alias 'Mad Professor' Martin Gretschmann. Beat-orientierte Songs machten den Hauptteil des Sets aus, wobei chilligere Stücke zwischendurch immer wieder für Auflockerung sorgten. Den Gesangspart, teilweise per Vocoder verfremdet, übernahm die bezaubernde Miriam Osterrieder, eine ehemalige Schulfreundin Gretschmanns, die mit ihrer schüchternen und dezenten Art eine Menge Sympathien auf sich zu lenken weiß. Außerdem freut sich keine so sehr über Applaus oder Freudenrufe aus dem Publikum, wie sie. Komplettiert wird die Live-Band von Christoph "Kasper" Brandner an den Drums, der mit einem extrem satten Beat überzeugte und außerdem Axel Fischer (Gitarre) und Michael "Hometrainer" Schwaiger (Bass), die auch zwischendurch vornehmlich analoge Synthies, sprich Korg und Konsorten, bedienten. Mittendrin Martin Gretschmann, der leicht hektisch zwischen seinen elektronischen Gerätschaften von einem Bühnenrand zum anderen hin und her sprang und bei den Ansagen mit seiner zurückhaltend-trockenen Art für so einige Lacher sorgte. Auf einen spaßig gemeinten Zwischenruf aus dem Publikum "Spielt mal schneller! Gebt euch doch mal Mühe!" konterte Gretschmann, der übrigens in Musik eine Fünf hatte, mit "Wir sind aus Bayern, wir können nicht schneller. Der Groove ist hier in Köln zuhause, nicht in Bayern." Songs, wie "Dirt On The Wire", "A+A=B" oder "Suck And Run" kamen extrem gut an und es wurde fast das ganze Konzert über ausgelassen getanzt. Beim Überhit "14 Zero Zero" war man jedoch etwas zurückhaltender - wahrscheinlich hat man sich daran doch etwas satt gehört. Das Konzert neigte sich gegen 0:30 Uhr seinem Ende zu und machte Lust auf den folgenden Tag...

2. Tag
Am zweiten Tag waren Couch, ursprünglich aus München stammend, als Opener gesetzt und schnell war klar, was ihre zwei Grundsätze sind: Kein Gesang und keine Solis. Wichtig ist hier der Gesamtsound aus Bass (Michael Heilrath), Gitarre (Jürgen Söder), Schlagzeug (Thomas Geltinger) und Keyboard (Stefanie Böhm), der einen recht schrägen, instrumentalen (Post-)Rock mit ungraden, krachigen Rhythmen wiedergibt. Manchmal etwas zu strange für's Publikum, da so mancher nach einigen Versuchen, sich zu der Musik zu bewegen, passen musste, da man oft unweigerlich aus dem Takt kam. Jedoch war die Begeisterung nach den jeweiligen Songs nicht minder groß, denn es wurde mit viel Applaus Respekt gezollt.

Danach wurde es mit Lali Puna wieder elektronischer und poppiger. Valerie Trebeljahr, Gründerin der Band, singt und spielt Keyboard. Ihr Freund und Notwist-Sänger Markus Acher bedient den Bass. Puristischer, exakter und politischer als der Rest der Weilheimer Riege ist ihre Musik, auch wenn sich neuerdings die verzerrte Gitarre hinzu gesellt. Betont zurückhaltend und cool ist man hier, gar nicht darauf bedacht, in den Vordergrund zu treten. Zu den behutsamen Beats wurde im mittlerweile recht vollen und engen Saal des Stollwercks das Tanzbein geschwungen und man lässt die kompakten Melodien und den mädchenhaften Gesang auf sich wirken. Allen Stücken liegt eine seichte Melancholie zu Grunde, auch wenn der Tanzfaktor oft recht hoch war. Nicht zufällig gaben Radiohead vor einiger Zeit Lali Puna als eine ihrer Lieblingsbands an.

Zum Abschluss kamen sie dann endlich - The Notwist, die Weilheimer Vorzeige-Band. Und nach einem ruhigen Beginn wurde nun endgültig gerockt, ja sogar ansatzweise gepogt. Denn auf der Bühne leugnen Markus Acher (Gitarre und Gesang), Micha Acher (Bass), Martin "Mecki" Messerschmid (Schlagzeug) und Martin Gretschmann (Laptop und Keyboards) ihre rockige Vergangenheit keinesfalls, auch wenn das letzte Hit-Album "Neon Golden" einen anderen Eindruck hinterlassen hat. 1989 haben sie schließlich mit hartem Punk angefangen und waren sogar schon Vorband von Bad Religion. Verzerrte Gitarren, Feedbacks, die zur Schmerzgrenze reichten, 5/4-Rhythmen und Acher's zarter Gesang - das ist das, was nach dem Konzert stark in Erinnerung blieb. Gretschmann, der zum 1995er Album "12" die ersten elektronischen Klangspielereien beisteuerte und seitdem mit seiner Elektronik einen immer größeren Platz innerhalb der Musik Notwists eingenommen hat, geht aber nie unter, sondern wechselt lediglich immer mal wieder seine Rolle. Mal würzt er den Gitarrensound mit seiner Elektronik, andermal dominiert sein Laptop und seine Keyboards. Spektakulär, die Version von "Pilot", mit einem mehrminütigen, phänomenalen Zwischenstück mit Echo-Gitarren-Effekten und episch anmutenden Synthie-Sounds, welches sich nach einer Kollaboration von Bauhaus und Jean-Michel Jarre anhörte und Gänsehaut erzeugte. Als dann ihr Semi-Hit "Chemicals" vom 1998er Album "Shrink" erklang, sang zum ersten Mal in diesen zwei Tagen das komplette Publikum hörbar mit. Zum Schluss wurde eine wunderschöne reduzierte Version von "Off The Rails" mit Streichern vom Plattenspieler vorgetragen, was einen würdigen Abschluss bildete.

"Weilheim auf Achse" demonstrierte eindrucksvoll, was alleine wirklich zählt: die Musik - ehrlich und authentisch. Jeder einzelne Musiker ist hier ein wahrer Handwerker, ob an akustischen oder elektronischen Instrumenten. Mit diesem Prinzip der "relaxten Zurückhaltung" vermeiden sie, zu schnell zu berühmt zu werden und der zunehmende Erfolg des "Sound of Weilheim" scheint ihnen Recht zu geben. Da passte es auch so richtig ins Bild, als nach der Show Martin Gretschmann mit seinem Laptop unterm Arm an unserem Auto vorbei in Richtung U-Bahn-Station ging...

(mk)

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Net_5: www.tiedandtickledtrio.com
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