Donnerstag, 03.07.2003
Forum - Bielefeld
Es muss ja nicht immer Berlin sein. Wider erwartend
hat sich das Forum als Glücksgriff seitens
der Veranstalter herausgestellt. Denn obwohl
sämtliche Poser der Elektroszene unvermeidlich
darauf hinweisen, sie wären "sehr
stark" von Suicide beeinflußt, war
augenscheinlich keiner dieser beinharten Fans
zum Forum gepilgert. So war das Forum nur bedingt
gefüllt als der amerikanische Urtyp des
Electroduos um kurz nach zehn an den Start ging.
Suicide sind Understatement in Reinkultur. Keine
gedruckten Tourposter oder gar Eintrittskarten,
dafür aber nicht minder knuffige Kopien.
Martin Rev und Alan Vega versuchen gar nicht
erst wie Stars zu wirken. Während Rev,
man behind the machines, immer wieder zum Noiseberzerker
mutiert, wirkt Vega relativ ausgelassen und
bodenständig. Die obligatorischen Sonnenbrillen
dürfen hier natürlich nicht fehlen.

Ihr Programm an diesem Abend war ein gesunder
Querschnitt aus aktuellen Songs und Klassikern,
mit kleinen Lücken. Trotz mehrfachem Publikumswunsch
spielten die beiden ihren Szenehit "Frankie
Teardrop" nicht. Alan kommentierte dies
mit den Worten: "Frankie is dead."
Wer kann es ihnen verübeln nach über
sechsundzwanzig Jahren! Auch wenn Rev und Vega
nicht diese raumerfüllende Ausstrahlung
mitbringen, überzeugen sie doch auf ganzer
Linie. Vega, der selbst aus dem Zigaretten anzünden
eine Show macht, hat den Sprechgesang schon
für sich entdeckt, als viele, die heute
damit kokettieren, noch nicht auf dieser Welt
waren.
Aber im Gegensatz zu vielen (heutigen) Bands
wirkt bei Suicide alles authentisch. Die sind
so. Zwei komplett durchgeknallte New Yorker,
die auch im Alter ihren eigenen Weg gehen. Ich
hoffe sie kommen wieder.
(sz)
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