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Golden Boy with Miss Kittin
"Autopilot"
MCD (Ladomat 2000/Mute/EMI)

Den Autopiloten eingeschaltet und mit Karacho
auf die Tanzfläche. Nach "Rippin Kittin"
kommen Miss Kittin und ihr Lieblingsschweizer
Golden Boy mit der zweiten hitverdächtigen
Singleauskopplung "Autopilot" aus
dem überaus erfolgreichen Album "Or"
aus den Löchern gekrochen. Die CD-Version
der Maxi startet mit dem Casino Remix von Decomposed
Subsonic, der recht nah am Original gehalten,
nur etwas weniger minimal daher kommt. Nach
der darauffolgenden Original-Version ertönt
dann die erste, der beiden Waldorf-Interpretationen,
die übrigens am meisten herausstechen.
Mit E-gitarren-ähnlichen Sounds wirkt der
Mix recht trashig und rau. Es folgt Marcho's
Full Synthetic Rework, welchen man als netten,
leicht verfrickelten Deep House bezeichnen könnte.
Danach der Nachtfahrt-Remix von Smash TV. Elektro,
durchtränkt mit einem percussiven Beat.
Die Extended Version von Decomposed Subsonic
ist wieder extrem straight und clubfreundlich.
Nachdem man sich nun endgültig beim um
die Wette tanzen verausgabt hat, werden beim
Waldorf 2 Remix mindestens zwei Gänge zurückgeschaltet.
Denn diese stark reduzierte, beatlose und mit
Streichern versetzte Version ist genau das richtige
zum zurücklehnen und genießen, während
der Autopilot einen sicher durch die Nacht führt.
"I love to drive at night" singt Miss
Kittin - natürlich am liebsten im schicken
Cabriolet. Die Scheibe, die voll von Verspieltheit,
Charme und Doppeldeutigkeiten ist und von einem
Leben zwischen Dada und Delirium erzählt,
erwärmt das Herz jeden Liebhabers von minimaler
Dancemusik und Electroclash, ähm pardon,
Post-Punk.
Denn Electroclash war ja 'last season'. (mk)

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Grandchaos
"La Forge"
CD (Galaxy Records)

Tcheleskov Ivanovitch's Karriere reicht zurück
bis 1983, als er die Elektro-Band IDLO gründete.
Als die Aktivitäten der Band nachließen,
gründete er das Soloprojekt Grandchaos,
womit er 2000 die Platte "Pèlerin"
herausbrachte. Nun, drei Jahre später,
veröffentlicht der Belgier (nicht Osteuropäer,
wie der Name vermuten lässt) "La Forge",
ein Minialbum. Direkt beim ersten Track wird
deutlich, wo der Hase lang läuft. Verzerrte
Vocal Samples, einen metallischen Beat, der
mal asymmetrisch, mal schnurstracks geradeaus
die Songs trägt und krachige Soundcollagen
- das sind die Hauptzutaten der fünf Tracks
der EP. Fern des momentanen Futurepop-Trendes,
schlägt sich hier ganz deutlich der belgische
EBM-Background nieder. Bei dem derzeitigen Overkill
sind diese klassischen Elektro-Sounds, die ohne
jeglichen Gedanken an kommerziellen Erfolg konzipiert
wurden, recht erfrischend. Dabei macht "La
Forge" dem Namen Grandchaos alle Ehre,
denn stellenweise erscheinen die Songs etwas
unstrukturiert, was zwar nicht unbedingt zur
Clubtauglichkeit beiträgt, aber den künstlerischen
Anspruch hebt und das Album so interessanter
macht. Das ganze erinnert ein wenig an die frühen
Klinik- oder Front 242-Sachen. Die kalten EBM-Sounds,
die roh und minimalistisch aufgebaut sind, sind
zwar nicht neu, klingen aber durch ihre Strukturierung
frisch und nicht altbacken. Auch inhaltlich
knüpfen die Songs, bei denen Tcheleskov
zum ersten Mal seine Stimme einbringt, an technoid-industriell-mystischen
Themen an. Mal geht es um ein Computerspiel
mit Soldaten, die versuchen sich an ihren Zugangs-Code
zu erinnern oder eine PC-Bedienungsanleitung,
die als Bibel angesehen wird. Ein andermal dreht
es sich um einen herabstürzenden Halbgott
oder die zusammenwachsenden Erde, die wir nicht
tauschen können. Wer auf experimentellen
und minimalistischen Oldschool-Electro steht,
sollte hier auf jeden Fall mal reinhören.
(mk)

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