Text und Interview aus
dem Jahre 1995.
Ein Interview mit John Bagguley und
Julian Beeston zu ihrem Debüt "DIN".
"Hard uncrompomising grooves built on
the ecelectic foundations of rock"
Treffender hätten sich Julian Beeston
und John Bagguley alias Shining nicht definieren
können.
Ihre 'rockorientierte' ElectronicMusic (von
ihrem deutschen Label Synthetic Symphony etwas
ungünstig unter E-Crossover katalogisiert)
weiß dem geneigten Zuhörer zu gefallen.
Die erste Veröffentlichungen Shinings war
eine bis heute nur in England auf ihrem eigenen
DIN Label veröffentlichte CD- bzw. Cassettensingle
mit dem Titel "My Hollywood", welcher
das Debütalbum folgen sollte.
"Ursprünglich wollten wir dieses Album
"Wide Eye And Frantic" nennen, doch
wir haben uns dann entschieden, uns auf "DIN"
zu einigen, weil wir dachten, dass der andere
Titel eventuell etwas zu anmaßend klingt.
Das Wort "DIN" ist ein englisches
'Slangwort' für Noise. Im Grunde sollte
dieses Album schon über ein Jahr draußen
sein. Da wir die Plattenfirma gewechselt haben,
hat sich die Veröffentlichung so lange
verzögert. Bis jetzt sind wir sehr glücklich
mit SPV und außerdem war das Album im
September fällig. Einige der Songs des
Longplayers existieren schon seit mehr als zwei
Jahren, aber wir sind sehr zufrieden, obgleich
wir schon genug Material für ein neues
Album zusammen haben.", berichtet Julian,
der gewöhnlich Joolz genannt wird. Schon
lange bevor ihr Debüt erschien, gingen
Mitteilungen durch die englische Presse, die
verlauten ließen, dass einige größere
Plattenfirmen wie EastWest oder Polygram starkes
Interesse an Shining angemeldet haben sollen.
Joolz dazu: "Nun, in Wirklichkeit waren
es einige der amerikanischen Majors wie Sire,
welche uns kontaktierten. Und, na klar, verfolgen
wir einige dieser Wege, welche uns zur Zeit
offen stehen, als da wäre die Möglichkeit
gegenwärtig in den USA zu erscheinen. Wir
entschieden uns im europäischen Bereich
für SPV, weil sie uns einen guten Deal
der Flexibilität und Freiheit angeboten
haben. Außerdem habe ich schon durch meine
Arbeit mit Patricia Morrison mit ihnen verhandelt."
Mrs. Morrisons Band ist aber nicht die erste
musikalische Tätigkeit des Herrn Beeston.
Hat er doch jahrelang als Studio- und Livedrummer
der Landsmänner Nitzer Ebb Erfahrungen
gesammelt, welche er später an Gruppen
wie (Clan Of) Xymox ausleben konnte.
Nach gewissen Differenzen hat Julian Beeston
jedoch die N.E.-Musiker während der Aufnahmen
zu deren letzten Longplayer "Big Hit"
verlassen.
Joolz: "Ich bin mit Nitzer Ebb nicht mehr
in Kontakt, seit dem sie in die USA gezogen
sind. Ich habe sie vor ein paar Monaten bei
ihrer Show in London gesehen und anschließend
mit ihnen geplaudert. Es war sehr schön
sie mal wieder zu sehen. Ich wünsche ihnen
wirklich alles Gute. Ich glaube nicht, dass
es zwischen ihnen und Shining so etwas wie eine
schwere Athmosphäre gibt, weil sie so gar
nicht vergleichbar sind. Na klar, einige Fans
der Ebbs werden auch unsere Fans, aber ich kann
da keine Probleme sehen. Ich verließ N.E.,
weil ich eigenes Material veröffentlichen
wollte und mit den Ebbs war das nicht möglich.
Ich habe an ihrem letzten Album "Big Hit"
über drei Monate in London mitgearbeitet.
Das war kein 'Happining', so dass wir zum Schluß
getrennte Wege gingen. Das war als ich mich
mit John zusammen schmiß und wir später
Shining gründeten."
Dieses Vorleben wird natürlich lange an
Joolz haften bleiben, wobei der Rest der Band
immer ein bißchen ein Dasein im Schatten
fristet.
Darüber John: "Der Hauptgrund ist
sehr einleuchtend, Julian hat schon eine Vergangenheit
mit einer Band, welche in den letzten paar Jahren
eine größer Publicity hatte. Und
so eine Vergangenheit habe ich nicht. Shining
hat drei Mitglieder, alle arbeiten gleich stark
daran, um den ultimativen Sound zu erreichen.
Es ist typisch für die Presse, anzunehmen,
dass ich – nur weil ich in der Band singe
– mehr zu sagen haben könnte. Julian
verdient eine Menge Respekt, die Ebbs wußten
ihn nicht zu schätzen wie Steve und ich,
trotz der Tatsache das er 'nur' der Drummer
ist. Normalerweise will kein Journalisten mit
einem Drummer sprechen."

Anfang 1995 tourten Shining das erste mal durch
Deutschland im Rahmen der Patricia Morrison
–Support.
"Die Tour mit Patricia war okay. Es war
großartig für Shining, die Möglichkeit
zu nutzen, zusammen zu spielen, so dass wir
nur Steve White rekrutieren mußten, damit
er für uns Gitarre spielt. Er ist bereits
ein festes Mitglied geworden." berichtet
Joolz. "Ich glaube für Patricia Morrison
war die Tour ein kleiner Flop – aber so
ist das Leben. Wir hatten trotzdem eine gute
Zeit und Shining gewann ein paar Fans dazu,
so dass es für uns ein kleiner Erfolg darstellte.
Ich werde auf der kommenden Tour neben dem Drumming
auch ein wenig Gitarre spielen. John singt und
Steve an der Gitarre. Vielleicht auch an den
Drums, denn wir tauschen sehr gerne mal die
Rollen innerhalb der Band. Wir werden sowohl
Songs der "DIN" als auch brandneues
Material zum Besten geben. Es soll ziemlich
heiß und sehr laut werden!"
Letztes Jahr war eine limitierte 'White Label'
EP geplant, welche spezielle Remixe der Krupps
(für die Julian Beeston auch schon hinter
dem Mischpult saß) und Apollo 440 erhalten
sollte.
"Wir haben bis jetzt noch nicht genau ausgewählt,
welche Single wir via Synthetic Symphony (SPV)
veröffentlichen werden. Aber es werden
einige Remixe geben. Zur Zeit versuche ich mit
Jürgen Engler (Die Krupps) darüber
zu sprechen. Aus dem Album wird es eine oder
sogar mehrere Singleauskopplungen geben. Wir
haben schon ein Video zu 'Obsession' fertiggestellt,
welcher großartig geworden ist, und übrigens
ein Naomi Campbell verdammt ähnlich aussehendes
Mädel beinhaltet."
Die vielen Nebenbeschäftigungen der einzelnen
Mitglieder. sei es nun für Peter Gabriel
im Tonstudio zu arbeiten (Julian Beeston), oder
Gruppen wie Cubanate zu remixen, läßt
den Gedanken aufkommen, bei Shining handle es
sich nur um ein Nebenprojekt.
"Wir sind eine festgelegte Band, nunmehr
aus drei beschäftigten Typen bestehend,
welche der Philosophie folgen, dass sie ihre
Finger in viele Dinge stecken müssen. Wir
sind gerne beschäftigt und arbeiten gerne
mit anderen Leuten und an Arbeiten anderer Leute.
Im kommenden Jahr wird es wahrscheinlich einige
gute Remixe von uns geben, aber auch ebenso
gutes neues Material. Shining ist definitiv
kein Seitenprojekt!"
(sz)
Fotograf: Bejou Baile de la Perriere
