Hinter dem Projekt Telemen verbirgt sich kein
Geringer als Danyell alias Detechtive. Neben
Danyell sind noch drei weitere Personen für
Telemen verantwortlich. Zum einen die 'elektronischen
Zwillinge' Stashrider (Lars Brede) und Toxic
Twin (Sven Brede) sowie Metapunk. Aber der Reihe
nach. Mit der ersten Single "Angels Of
Mercy" konnte man im letzten Jahr schon
gute Platzierungen in den deutschen Club Charts
(DCC) erzielen. Zusammen mit dem DJ-/Produzententeam
Stashrider und Toxic Twin werkelte man an den
Sounds. Songwriter-Unterstützung erhielt
Danyell, wie bei fast allen seinen Produktionen,
von Metapunk. Das Debütalbum "God
Is A Computer" verbindet auf eine phantastischen
Art und Weise tanzbaren Tech-House mit melodischen
Popsong-Strukturen zu einer neuen musikalischen
Einheit...Telepop vielleicht?
Kann man die erste Telemen LP "God
Is A Computer" als Konzeptalbum bezeichnen?
Der Albumtitel ist erst im Laufe der Produktion
entstanden. In den letzten Jahren habe ich vielen
Liveacts im Technobereich die Vocals beigesteuert.
Ich wollte so etwas mal als ganzes Album produzieren.
Das Konzept an sich war, eine gute Schnittmenge
eines guten Songs und die Kraft der elektronischen
Musik zu vereinen. Gutes Songwriting mit englischen
Texten und anspruchsvolle moderene Musik in
Form von minimalen Tech-House-Pop. Ich denke
das ist die Form von neuer elektronischer Popmusik,
die sich jetzt so langsam entwickelt und irgendwann
verstärkt in Erscheinung treten wird. Ich
habe dann später meinen Kumpels Stashrider
und Toxic Twin davon berichtet. Die waren auch
gleich davon begeistert. Dann haben wir mit
der Arbeit zum Album begonnen. Aufgrund der
Songansammlung haben wir uns dann für "God
Is A Computer" entschieden. Während
der Aufnahmen bin ich auf den Namen Telemen
gekommen. Ich finde diesen Namen sehr gut, weil
wir in dieses mediale Zeitalter hineingewachsen
sind. Telemänner quasi. So wie es eine
'Generation Golf' gibt, (WIR LACHEN) gibt es
eben auch eine 'Generation Telemänner'.
Gut, letztendlich soll sich jeder selbst fragen,
was er unter diesen Namen versteht. Schließlich
soll man immer Platz lassen, um eigene Ideen
freien Lauf zu lassen. Ähnlich ist es bei
den Texten der Songs. Man soll immer genug Interpretationsspielraum
lassen, um dem Hörer eine persönliche
Identifikation der Lyrics zu ermöglichen.
Du warst ja schon in jungen Jahren
künstlerisch tätig...
Stimmt. Meine Mutter ist Malerin und mein Vater
Schauspieler. Ich habe schon als kleiner Junge
häufig in der Theatergruppe mitgemacht.
Später habe ich zuhause kleine Filme mit
der Kamera aufgenommen. Zum Beispiel kleine
Sketche und Kurzfilme. Entertaiment war mir
schon immer sehr wichtig. Auch Telemen ist nicht
einfach nur Musik. Es handelt sich um ein 'Entertainment-Produkt'.
Das kann man anfassen (CD oder Vinyl ist gemeint)
und live erleben. Ich möchte auf jeden
Fall nicht einer dieser typischen 'Kopfnicker-Liveacts'
sein. Dem Publikum soll schon eine nette Show
geboten werden, die man nicht so schnell vergisst.
Viele Leute sehnen sich wieder nach ein wenig
Entertainment. Die wollen mal wieder einen Sänger,
der dann ein wenig am Bühnenrand tingelt
und in das Publikum hereinruft kommt schon viel
mehr Stimmung auf. Das macht auch sehr viel
Spass. Deshalb verstehe ich mich auch eher in
der alten Tradition von Rockbands, die dann
auch viel mit den Zuschauern gearbeitet haben.
Also ist euch eine gute Liveshow genau
so wichtig wie eine gut produzierte Platte?
Auf jeden Fall. Zuletzt war ich sehr häufig
alleine unterwegs. Das heißt, ich habe
an den Geräten gedrückt, Gitarre gespielt
und gesungen. Auf der "God Is A Computer-Tour"
werde ich häufig zu zweit unterwegs sein.
Für die größeren Festivals,
die in diesem Jahr anstehen, möchte ich
mir einen Schlagzeuger suchen. Das macht einen
Liveauftritt noch lebendiger. Ich denke das
macht sich ganz gut. Wir wollen demnächst
auch mit Projektionen arbeiten. Ein Hintergrund-Film,
in dem wir live auf der Bühne die Hauptrolle
spielen. Telemen live soll immer etwas anderes
sein. Jede Show ein Unikat. Ich möchte
auf den Touren auch immer wieder andere Musiker
dabei haben. So kann man sich immer wieder neu
erfinden. Ich denke live kann da noch ein Menge
passieren.
Du bist ausgebildeter Sänger.
Na ja, ich habe zwei Ausbildungen genossen.
Einmal klassische Stimmbildung bei einer Japanerin.
Dann habe ich noch mit einem Rock&Pop Musiker
gearbeitet. Der hat mir dann beigebracht, wie
man fernab von der klassischen Singenskunst,
singt. Ich habe in der Vergangenheit in vielen
Blues-, Punk- und Metal-Crossoverbands gespielt.
Anfang der neunziger Jahre entdeckte ich dann
die Techno-Musik. Zu diesem Zeitpunkt konnte
ich auch keine Gitarren-Solis mehr hören.
Ich fing dann an unter meinem Namen Danyell
einig Dinge zu veröffentlichen. Die Idee
war deutsche Texte mit elektronischer Tanzmusik
zu verbinden.

Die meisten Songs spielst du auch heute
noch zuerst mit der Gitarre ein...
Richtig. Das ganze sieht dann so aus, dass ich
dann im Studio mit meiner Gitarre sitze...warte
mal kurz (Ein kurzen Moment später
kehr Danyell zurück ans Telefon und spielt
ein Lied mit seiner Gitarre und singt.)
...und dann nehme ich die Noten und spiele sie
am Keyboard nach. Danach programmiere ich noch
die Feinheiten am Computer und schon habe ich
das Original-Stück an der Gitarre als elektronisches
Musikstück im Computer. Die Gitarre ist
quasi das Kompositionsinstrument.
Erzähl mal von deinen ersten musikalischen
Tätigkeiten.
Oh, das liegt sehr weit zurück. Als kleines
Kind habe ich meine ersten Erfahrungen mit verschiedenen
Instrumenten gesammelt. Das hat auf jeden Fall
mein weiteres Leben geprägt. Meine Eltern
kamen aus der Hippie-Bewegung und wir hatten
immer viele Gäste verschiedenster Nationen
im Hause. Als Kind habe ich mit diversen Instrumenten
wie zum Beispiel die Gitarre oder Bongos Musik
gespielt. Auch wenn ich mich jetzt eher der
elektronischen Musik zugewandt habe, höre
ich doch jede Menge verschiedene Musik. Egal
ob nun B. B. King, Aphex Twin, Tears For Fears,
Yello oder Beatles. Alles hat mich geprägt.
Was steht nach der Tour an?
Im Sommer wird es dann ein neues Danyell Album
geben. Es wird auf Low Spirit erscheinen. Musikalisch
bewegt sich das ganze eher in Richtung technoide
Popmusik. Also kein typischer Low Spirit Sound,
wie vielleicht einige jetzt vermuten werden.

Im Mai wird voraussichtlich "Super String"
ausgekoppelt. Dieser Song, der sich Thematisch
genauso wie die aktuelle Single "In All
Nothing", die philosophische Skizze über
die Kosmogenesis, um das Entstehen von einem
Etwas in ein Nichts hinein, beschäftigt.
Eventuell werden schon im diesem Jahr die Arbeiten
für das zweite Telemen Album in Angriff
genommen. Einige bekannte Produzenten haben
schon ihr Interesse kund getan. Zur Zeit befindet
sich Telemen auf großer Club-Tour, präsentiert
von chainsaw-beats.de!
(bz)
Net: www.multicolor-recordings.de
