Mit dem zweiten Longplayer "In-Macula"
zelebriert die spanische Band Lethargy wieder
eine Melange aus dem großen Kessel der
elektronischen Musikkunst. Die zwei Spanier
Mayte Cruz und Julio Tome brechen mit ihrem
neuen Album 'In-Macula' wieder die Grenzen zwischen
elektronischen Pop und Dance und streifen dabei
sogar das Trip Hop Gefilde. Besonders beeindruckend
ist die Stimme von Mayte, die sich ständig
neu definiert. In Songs wie "The Golden
Light" wird noch der Sprachgesang benutzt
und in anderen Stücken setzt Mayte ihre
aggressive Stimmlage ein. Natürlich gibt
es auch melancholischen Gesang wie im Titelsong
"In-Macula".
Mayte lebt zwar seit ihrem zweiten Lebensjahr
in Spanien, wohnte aber hin und wieder in London.
Mayte, wie viele Sprachen beherrscht du?
Mayte: Spanisch
und Englisch spreche ich fließend. Ich
kann aber auch ein wenig Deutsch und Italienisch.
Wenn wir Songs einspielen, wähle ich die
englische Sprache. Ich denke für elektronische
Musik ist Sie die beste Sprache. Fast jeder
versteht sie und die Songtitel sind in ihrer
Struktur einfacher gehalten.
Lethargie: Form der Bewusstseinsstörung,
Schläfrigkeit und Erhöhung der Schwelle
für alle Reize; Teilnahme- und Interesselosigkeit.
Warum diesen Namen?
Mayte: Es gab keinen
realen Bezug zu uns, sich Lethargy zu nennen.
Wir mochten dennoch das geschriebene Wort sehr
gerne. Wenn wir eine versteckte Bedeutung aus
den Hut zaubern müßten, wäre
es vielleicht die, dass wir es lieben zu schlafen,
besonders gerne im Winter, wenn es draußen
kalt und ungemütlich ist.
Von welchen Dingen im Leben lasst ihr
euch für das Songwriting inspirieren?
Mayte: Wir lassen
uns von Dingen aus unserem unmittelbaren Leben
beeinflussen. Dinge die uns umgeben. Es sind
oftmals Momente oder besser gesagt Gefühlszustände.
Wenn man zum Beispiel wieder mal oben auf ist
oder einfach nur am Boden zerstört. Egal
was; alles wird zur Inspiration herangezogen.
Das neue Album heißt "In-Macula".
Was hat euch dazu bewogen?
Mayte: Vor einigen
Monaten haben wir die Musik für einen Terror-Kurzfilm
gemacht. Der Film heißt "Macula".
Der letzte Track auf unserer CD heißt
"In-Macula" und war im Film der Maintrack.
Wir dachten es wäre eine gute Idee, diesen
spanischen Titel für das neue Album zu
verwenden. Seine Bedeutung entspricht stärker
dem Charakter des neuen Albums, als es bei unserem
Debüt "Escapa" der Fall war.

Stücke wie "Emotions"
und "Rain Drops" stechen auf eurem
aktuellen Album besonders hervor.
Mayte: Aha, "Emotions"
ist die wildeste Nummer des Albums. Ein dreckiger
Electro-Techno Track mit Industrial-Einschlägen
und frenetischen Arpeggios. "Rain Drops"
ist ganz klarer Trip Hop-Style mit Popmelodien.
Im Text geht es darum, im eigenen Leben klar
zu kommen, auf sein eigenes Herz zu hören
und zu wissen, das alles, was man macht, auf
einen zurückfällt.
Was haltet ihr von der spanischen Electronic-Szene?
Mayte: Im Vergleich
zum restlichen Europa ist die spanische Szene
sehr klein. Aber in den letzten Jahren hat sich
da einiges getan. Es gibt immer mehr Bands aus
diesem Genre und einige Teile unserer Gesellschaft
beginnen sich langsam dafür zu interessieren.
Gibt es auch Freundschaften zwischen
euch und anderen Künstlern im Umkreis?
Mayte: Klar, wir
haben sehr viele Freunde im Musikbusiness. Wir
haben zum Beispiel das Stück "Dessert"
(Track 5 auf der "In-Macula" CD) mit
unserem Freund Fernando Ferrero (Side Effects
& Femme Fatal) in seinem Studio spät
nachts aufgenommen, während wir schon einige
Biere intus hatten.
Habt ihr neben Lethargy noch weitere
Musikprojekte?
Mayte: Hin und
wieder produzieren wir für andere Bands.
Wir haben für Neikka R.P.M., Glis, Technology,
Aiboforcen sowie für zwei spanische Bands
(Biotribe und Doctor Martin Clavo) Remixe angefertigt.
Julio, welche elektronischen Instrumente
bevorzugst du?
Julio: Am liebsten
arbeite ich mit dem guten alten MPC2000.
Alan Wilder fand euer erstes Album
"Escapa" (Nucleo Rec.) sehr gut. Wie
kam der Kontakt zustande?
Mayte: Stimmt,
wir haben ihm unser Debütalbum zugesandt,
weil wir große Fans von Recoil sind. Er
hat uns tatsächlich persönlich angeschrieben.
Hier ein kleiner Auszug: "...I enjoyed
listening to your work and thought you developed
some interesting ideas. I wish you much success
for the future..."
Auf "In-Macula" befindet
sich auch eine Coverversion von Bauhaus.
Mayte: Wir haben
uns entschlossen in jedem Album ein Cover zu
integrieren. Auf unserm ersten Album haben wir
"Sleeper In Metropolis" von Anne Clark
gecovert. Diesmal haben wir uns für "She
Is In Parties" entschieden. Der Song ist
eines unserer Lieblingsstücke von Bauhaus.
Wir haben nicht versucht uns am Original zu
messen. Es ist unsere eigene Vision der vorhandenen
Elemente ihres Stückes.

Wie mögt ihr New Wave denn am
liebsten - geschüttelt oder gerührt?
Mayte: Wir mögen
durchaus neue Interpretationen von Wave-Klassikern.
Wenn es keine Kopie ist, sondern eine neue Vision
dahinter steht, macht es für uns Sinn.
Wenn es einfach innovationslose Kopien sind,
bevorzugen wir die Originale.
Zum Schluss noch ein paar Tipps zum
Ausgehen in Barcelona...
Mayte: Am liebsten
gehen wir ins Coppelia, den Yas'ta Club sowie
die Radar Bar.
(bz/sz)
