Im Jahre 1974 gründete Dennis Leigh alias
John Foxx mit Chris Cros, Billy Currie, Steve
Shears und Warren Cann die Band Ultravox. 1977
erschienen die Longplayer "Ha!Ha!Ha!"
und "Ultravox". Bereits nach dem dritten
Album "Systems Of Romance" (1978) verließ
Sänger und Keyboarder John Foxx die Band.
Mit der ersten Solo-Single "Underpass"
schuf John Foxx bereits 1980 einen Klassiker der
New Wave-Ära. Alben wie "Metamatic"
(1980) oder "The Garden" (19981) sind
auch heute noch Meilensteine der elektronischen
Musik. 1986 steuerte Herr Foxx einige Songs für
Anne Clarkes Album "Pressure Points"
ein. Seit Mitte der Neunziger arbeitet John Foxx
mit Louis Gordon zusammen. In diesem Jahr hat
John Foxx gleich zwei neue Tonträger veröffentlicht.
Mit Louis Gordon spielte John "Crash And
Burn" ein und "Translucence/Drift Music"
entstand mit Harold Budd.
Deine Song-Themen erinnern ein wenig
an J. G. Ballards "Crash". Siehst
du das ähnlich?
Die Beziehung Mensch - Maschine hat mich schon
immer fasziniert. Ich glaube es begann alles
damit, dass ich als Kind viele fünfziger
Jahre Science Fiction Filme geguckt habe. Sehr
geprägt hat mich aus dieser Zeit auch,
dass ich aus einem Industriegebiet im Norden
Englands stamme. Dort gab es gewaltige Fabrikkomplexe.
Als Kinder spielten wir auf Schrottplätzen
zwischen Unfallwagen und ausgemusterten Flugzeugen.
Zu dieser Zeit wurden Straßen und Autobahnen
durch sämtliche Landschaften gelegt. Die
Straßen veränderten das Leben in
den Dörfern und Städten von Grund
auf und ruinierte viele Landstriche. Es schien
keinen Beweis für geschickte städtische
Planung zu geben. Das Wort 'Autogeddon' paßte
da sehr gut. Ballard drückte mit seinen
Geschichten genau das aus, was wir damals empfanden.
Es gibt durchaus einen erotischen Aspekt in
der Beziehung Mensch - Maschine. Erschreckend,
besonders wenn man bedenkt, dass man in einer
Umgebung lebt, in der man gezwungen ist, Beziehungen
zu 'Dingen' eingehen zu müssen. Um in unserer
heutigen Gesellschaft zu leben, hast du keine
andere Wahl. Ich glaube, dass es der schrecklichen
Art und Weise ähneln muss, in denen sich
ein Verhältniss zwischen Entführer
und Entführten entwickelt.
Du hast schon eine Menge Songs geschrieben,
in denen Autos eine Bedeutung spielen. Sind
Autos eine besondere Leidenschaft von dir?
Ich liebe und hasse sie aus den eben genannten
Gründen. Ich schreibe mit gleicher Hingebung
über das was ich hasse wie über das,
was ich liebe.
Was verbindest du mit dem Stück
"Drive" aus dem "Crash And Burn"
Album?
Es gibt viele verschiedene Bedeutungen für
Drive. Alles was jemanden antreibt: zum Beispiel
Ehrgeiz, Sex oder Entschlossenheit. Auch das,
was jemanden anspornt, destruktive Dinge auszuprobieren,
Genesung zu finden und Buße zu tun. Ein
gutes Beispiel ist auch dass man den richtigen
'Drive' um Vorurteile zu überwinden.
Woher nimmst du generell die Ideen für
deine Lieder?
Das Leben selbst ist meine Inspirationsquelle.
Ich betrachte das Leben das ich und andere Leute
führen aus der Sicht des 'Quiet Man'. Ich
notiere mir einige Phrasen die mir aufzeichnungswürdig
erscheinen. Die Phrasen, die gut mit der Musik
funktionieren, ergeben das Fundament eines neuen
Songs.
Mit Louis Gordon hast du schon einige
Alben eingespielt. Wo hast du Louis kennengelernt?
Ich sah ihn auf einer House-Party ein Ein-Mann-Konzert
geben. Jeder hat getanzt und überall war
es verraucht und monströse Beats lagen
in der Luft. Er hat vier oder fünf Stunden
gespielt. Er hat genau das richtige Gespür
für die Art elektronische Musik, die ich
mein Leben lang gesucht habe. Eine rauhe Schale
mit einem sinnlichen Kern. Nach der Show hat
er mir erzählt, dass "Metamatic"
seine erste, selbst gekaufte Platte war. Wir
haben uns entschlossen zu gucken was passiert,
wenn wir zusammenarbeiten. Und wir haben es
bis heute nicht seinen lassen und wir haben
noch eine Menge zu tun.
Schreibt und komponiert ihr die Songs
zusammen?
Es gibt verschiedene Ausgangspunkte. Manchmal
komme ich mit einem kompletten Lied ins Studio
an dem wir dann etwas hinzufügen oder subtrahieren
oder es auch mal komplett umschreiben. Manchmal
ist es Louis der einen Beat, einen Riff oder
gar einen ganzen Track mitbringt, der sich gut
in unser Konzept einfügt und aus dem wir
dann ein fertigen Song machen. Wir brauchen
nicht viel miteinander sprechen, da wir uns
musikalisch auf einem gleichen Level bewegen.
Für uns spricht die Musik.
Vor einiger Zeit erschien das Album
"Translucence/Drift Music", welches
John Foxx mit dem ambitionierten Musiker Harold
Budd eingespielt hat. Harold Budd wurde vor
allem durch seine Arbeit mit Brian Eno und den
Cocteau Twins bekannt.
Es war Harold, der die Zusammenarbeit vorschlug.
Ich wollte schon sehr viel früher mit ihm
zusammenarbeiten, habe mich aber nie getraut,
ihn zu fragen. Er ist einer meiner absoluten
musikalischen Vorbilder. Er hatte eine klare
Vorstellung von unserem Projekt. Elegant ist
wohl das richtige Wort dafür. Er kam extra
aus Los Angeles. Wir saßen in diesem alten
Anwesen zusammen am Klavier und komponierten
Musikstücke. In diesem Raum ist ein Fenster
mit einem Blick auf ein wunderschönen Garten.
Wir haben zur Inspiration Gemälde bewundert.
Dann spielte ich seine Kompositionen ein. Wir
haben sie direkt improvisiert. Er hat mir genug
Freiraum gelassen, seine Stücke mit meinen
Ideen zu vollenden. Unabhängig von unserer
Zusammenarbeit, denke ich, dass er einer der
bedeutendsten Künstler unserer Zeit ist.
Wie lange haben die Aufnahmen zu "Translucence/Drift
Music" gedauert?
Die Aufnahmen haben nur ein paar Tage gedauert.
An Haralds Werken mußte ich nicht viel
verändern. Die Stücke waren in ihrer
Rohfassung schon sehr schön. Louis Gordon
und ich haben das Material erst später
abgemischt. Für diese Art Musik hat Louis
ein gut sensibilisiertes Ohr. Wir hätten
noch genug Material für ein weiteres Album.
Stehst du noch in Kontakt zu deinen
früheren Ultravox-Mitgliedern?
Nicht wirklich. Ich fühle mich ihnen aber
dennoch sehr verbunden. Ab und zu treffe ich
sie in meinen Träumen. Wir reden oder gehen
einen trinken in längst verschollenen Clubs
- naja, Träume eben. Wir haben zusammen
ziemlich viel erlebt, das kann ich natürlich
nicht vergessen. Ich denke ziemlich oft an sie
und wünsche ihnen nur das Beste.
Beschäftigst du dich noch mit den
aktuellen Strömungen der elektronischen
Musik aus England?
Ja, und ich finde es sehr interessant. Momentan
passiert eine Menge in dieser Szene. Ich habe
Mira von Ladytron getroffen und finde sie sehr
beeindruckend. Intelligent, ausgeglichen und
gut informiert. Goldfrapp finde ich auch sehr
gut. genauso interessiert mich die amerikanische
Elektronic wie zum Beispiel Adult. - sie benutzen
ähnliches Equipment und erschaffen etwas
völlig anderes. Im Moment ist die Szene
in Großbritannien wieder sehr aktiv. Clubs
wie zum Beispiel 'Nag Nag Nag' bestätigen
das.
(bz/sz)
Net: www.metamatic.com
