Hinter Electric Indigo verbirgt sich die sympathische
Wienerin Susanne Kirchmayr. Angefangen hat alles
in einer kleinen Wiener Bar, wo Electric Indigo
im Jahre 1989 als Ersatz für einen DJ einspringt.
Heute gehört sie zu den besten DJanes unseres
Planeten. Ihre anspruchsvolle Mischung aus Elektro
und Technotunes konnte schon in über 30
Ländern überzeugen. Neben ihrer Tätigkeit
als DJ und Produzentin tritt Electric Indigo
hin und wieder als Radio-DJ in Erscheinung.
Außerdem ist sie die Gründerin von
Female Pressure, ein Netzwerk für weibliche
Produzentinnen, DJs und Visual Artists. Auf
ihrem neu gegründeten Label Electric:Inc
erschienen die zwei EPs "Six Trak"
und via True People die Doppel-Mix CD "Female Pressure
presents: Electric Indigo & Acid Maria -Welttour-".
Erzähl doch mal ein wenig über
die Entstehung von der Mix-CD "Welttour".
Welttour ist eine Doppel-Mix-CD von Acid Maria
und mir. Wir wurden schon im letzten Jahr vom
True People-Chef gefragt, ob wir nicht mal eine
CD unter dem Etikett Female Pressure rausbringen
würden. Das Projekt hat dann ziemlich lange
gedauert, wie man vielleicht am Track-Listing
erkennt. Aber letztendlich ist es doch ein sehr
schönes Produkt geworden. Es hat auch jede
Menge Spass gemacht. Es war für True People
die Gelegenheit Female:Pressure zu featuren.
Ich für meinen Teil wollte die CD unbedingt
mit Acid Maria zusammen machen, weil sie eine
sehr gute Freundin von mir ist. Dann haben wir
noch weitere Freunde in die Arbeit zu "Welttour"
involviert. Zum einen die Lisa Fickentscher,
verantwortlich für Grafik-Design und Raphael
Just (Bruder von Christopher Just) hat die Bilder
geknipst. Das Label hat auch keine Kosten gescheut
und sogar mit Spezialfarbe gearbeitet. Es gab
natürlich auch ein paar Probleme wie zum
Beispiel mit der Lizensierung einiger Tracks.
Mit dem Druck der CD-Hülle hatten wir auch
ein wenig ärger, weil der Barcode in Neonorgange
gedruckt war und nicht mehr zu lesen war.
Wird 'Female Pressure' eine Mix-CD Serie?
Geplant ist es... Mal sehen, was sich das Label
ausdenken wird. Wahrscheinlich wird es dann
nicht immer eine Doppel-CD sein... lassen wir
uns überraschen.

Mit Acid Maria warst du schon sehr häufig
zusammen auf DJ-Tour. Habt ihr eigentlich schon
mal einen nicht ernst gemeinten DJ-Battle ausgetragen?
Nein, wir haben aber schon öfter mal Back
to back gespielt. Also jeder legt eine Platte
auf.
Vor kurzem gründete Electric Indigo
ihr eigenes Label Indigo:Inc. Gab es hierfür
spezielle Beweggründe?
Die ursprüngliche Intension des Labels
war ein eigenes Autorinnen-Label - sprich hauptsächlich
eigene Produktionen über Indigo:Inc zu
veröffentlichen. Die ersten zwei EP ("Six
Trak") habe ich bereits veröffentlicht.
Der dritte Output wird dann von Microthol sein.
Zwei Jungs aus Wien. Die Musik ist klasse und
da konnte ich nicht nein sagen. Die Platte heißt
"Sexy Lady". Neben einem Remix von
mir wird es einen weiteren Track geben. Wie
gesagt, hauptsächlich werden über
Indigo:Inc meine eigenen Produktionen erscheinen.
Es gab auch mal Überlegungen aus Female
Pressure ein Label zu machen. Das ist aber extrem
schwierig, weil auf Female Pressure so viele
unterschiedliche Künstlerinnen mit komplett
verschiedenen Musikstielen vertreten sind. Das
würde aber bedeuten, man müßte
die verschiedenen Spielarten der elektronischen
Musik begrenzen. So als Label A&R würde
man ja schon ganz bestimmte Stile featuren,
die einem zusagen und andere, die man nicht
so gut findet, auslassen. Deshalb wird es kein
Female Pressure-Label geben.
Welche Veröffentlichungen stehen
bei Indigo:Inc als nächstes an?
Als nächstes erscheint eine Remix-Maxi.
Unter anderem haben sich Thomas Brinkmann, Reinhard
Voigt und Toktok Stücke meiner beiden "Six
Trak" EPs ausgesucht und neu remixt.
Gehören die zwei EPs "Six
Trak" konzeptionell zusammen?
Thematisch bilden die Platten eine Einheit.
Das ist eigentlich das Ergebnis meiner Livespieltätigkeit.
Ich habe im vorigen Jahr ein Liveprojekt angefangen.
Colophony Circuit ist eine Projekt von Mia Zabelka,
eine Geigerin, die aus dem experimentellen Musikgenre
kommt, und mir. Mia spielte Geige und ich habe
an meinen Maschinen Sounds fabriziert. Die Musik
ist sehr schwer einzuordnen. Teilweise schon
recht brachial. Ich wollte dann später
ganz gerne ein paar Tracks von unserem Projekt
auf meinem Label veröffentlichen. Für
mich stellen die Stücke etwas dokumentarisches
dar. Ich habe im Laufe dieser Zeit auch einige
neue Produktionsmethoden gesammelt. Quasi so
ein working progress.
Wird es von Colophony Circuit ein Tonträger
geben?
(GRINST) Wenn wir es jemals schaffen, etwas
aufzunehmen schon. (LACHT) Da Mia und ich viel
unterwegs sind, wird es schwierig, Zeit zu finden,
um gemeinsam ein Album einzuspielen. Deshalb
wird es vorerst ein Liveprojekt bleiben. Aber
das wird dann keine Platte sondern ein CD-Release.
Auf Indigo:Inc wird es wohl nicht erscheinen,
da ich nur Vinyl herausbringe. Es gibt auch
tatsächlich schon einige Labels, die Interesse
daran haben.
Hast du in letzter Zeit Remixe für
andere Künstler angefertigt?
Für Reinhard Voigt habe ich ein Stück
("How We Rock") gemixt und dann habe
ich ein Track für Anthony Rothers neuem
Label Datapunk gemacht. Mal sehen ob es veröffentlicht
wird.
Bist du noch im Radio tätig?
Hin und wieder lege ich noch im österreichischen
Radiosender FM 4 auf. Ganz selten moderiere
ich auch. Aber sonst habe ich meine medialen
Tätigkeiten zurückgeschraubt, da die
Arbeit am Label doch sehr viel Zeit in Anspruch
nimmt.
Gibt es in Wien eigentlich viele Techno-
und Houseclubs?
Also in der Wiener Lokalstruktur ist es typisch,
dass es so kleine Bars gibt, wo dann DJs auch
ab und zu Live auftreten und das Publikum dann
hingeht um sich die Musik anzuhören und
dabei trinken und reden. Tanzen ist da eher
untypisch. Außer im Flex (Wiener Club).
Dort gehen die Leute hin, um zu tanzen. Im Flex
gibt es aber nicht nur Techoveranstaltungen.
Die haben da ein sehr breit gefächertes
Musikprogramm. Insgesamt würde ich aber
nicht behaupten, dass es in Wien eine große
Szene von Aktivisten in der elektronischen Musik
und schon gar nicht von Konsumenten elektronischer
Musik gibt. Das ist schon sehr überschaubar.
In welchen Ländern legst du hauptsächlich
auf?
Ich bin oft in Frankreich, Spanien, Osteuropa
und natürlich Deutschland. Vor kurzem war
ich in Portugal. Das war wirklich sehr schön
dort. Außerdem war ich endlich mal wieder
in England (Brighton). Demnächst geht es
nach Japan. Es gab auch mal so Phasen, da war
ich alle sechs Wochen in den USA. Man kann sagen,
dass sich das seit dem 11. September geändert
hat. Kein Ahnung warum. Vielleicht hat sich
das Interesse irgendwo verlagert...gibt da wohl
keine plausible Erklärung. Bin aber trotzdem
vor einiger Zeit in New York gewesen. Dort habe
ich im Arc gespielt. Der Club hieß früher
Vinyl.
Hat der Club eine Tanzlizenz?
(WIR LACHEN) Ja, aber dafür war keine Alkohollizenz
vorhanden. Es gab nur Wasser, Cola und andere
Erfrischungsgetränke. Der Club liegt in
Manhattan und dort darf man nicht rauchen. Aber
es wurde trotzdem ganz anständig gefeiert.
(bz)
Net_1: www.indigo-inc.at
Net_2: www.femalepressure.net
