Das englische Quintett Fiel Garvie wurde bereits
Mitte der neunziger Jahre gegründet. 1997
konnte die Band sogar die begehrte Auszeichnung
'Single of the week" im Melody Maker für
"For What I Love" ergattern. Mit einer
kleinen Verspätung erschien gerade das zweite
Album "Leave Me Out Of This". Die aus
Norwich stammende Gruppe überzeugt auch diesmal
mal mit ihrem geprägten Gespür für
verträumt-verspielte Songmelodien. Ihre Musik
ist stark verwurzelt mit den frühen 4AD und
Shoegazer-Sound. Angereichert mit einer Prise
Indie-Pop und Ambient-Soundteppichen. Der hauchende
Gesang von Anne unterstreicht auf ganz besonderer
Art und Weise die starke Ausdrucksfähigkeit
der Band. Fiel Garvie waren vor kurzem in Deutschland
und unterhielten sich mit uns.
Die internationale Presse hat euch
mit sehr vielen bekannten Bands aus dem Indie-Pop
und Alternative-Rock-Genre verglichen. Was haltet
ihr davon?
Adam:
Diese Vergleiche mit den ganzen Gruppen ist
schon sehr witzig, da wir ja keine typische
Gitarrenband sind.
Anne:
Wir wollen auch gar nicht irgendwelchen Bands
nacheifern.
Adam:
Im Gegenteil: Wir möchten etwas eigenes
schaffen. Unsere Motivation ist, im Gegensatz
zu den anderen Acts, völlig anders zu klingen.
Bestes Beispiel sind doch diese ganzen Garage-Bands.
Die meisten klingen doch irgendwie gleich.
Was bedeutet eigentlich Fiel Garvie?
Adam:
1.) Es ist das Anagram eines Lebensspenders.
2.) Es ist eine kleine Insel an der Westküste
von Schottland.
3.) Alle männlichen Kinder in Annes Familie
werden Garvie genannt. Nur die Mädchen
wurden nicht so genannt. Das fand Anne überhaupt
nicht gut. Sie wolle den Namen Garvie unbedingt
feminineren. Woman Garvie? Hmmm. Girls Garvie?
Oder vielleicht in Anlehnung an Varieté
Shows Filles Garvie ? Klingt schon besser, sieht
geschrieben aber nicht ansprechend aus.
also kammen wir auf FIEL Garvie!
Eins, Zwei oder Drei? Was glaubst du, welche
Antwort die korrekte ist?

Drei vielleicht? Seit wann existiert
eure Band?
Adam:
Unsere erste Single "Glass Faced Warrior"
haben wir 1996 auf unserem eigenen Label veröffentlicht.
Die Idee zu Fiel Garvie entstand aber schon
einige Jahre vorher. Ich denke wir haben uns
zusammengefunden, um der immer kommerzieller
werdenden Alternative-Music wieder mehr Seele
einzuflößen.
Zählt mal ein paar Inspirationsquellen
auf...
Adam:
Wir wurden nicht nur von Musik beeinflußt.
Es klingt jetzt vielleicht etwas anmaßend
doch in erster Linie sind wir musikalisch von
Beethoven über die Gang Of Four bis hin
zu DJ Shadow beeinflußt worden. Eine unsere
Hauptinspirationsquelle ist jedoch der Film.
Auch Schriftsteller und Künstler wie Jean
Paul Satre und Joan Miro haben uns sehr geprägt.
Aber nicht die Rockmusik. Um Himmels Willen
nein.
Beobachtet ihr die heimische Indie-Szene?
Adam:
Das klingt sehr wissenschaftlich. 'Observing
the scene'. Ja, wir verziehen uns in unser HQ,
wo wir in unserem Laboratorium die weißen
Kittel anziehen und dann ganz grauenvolle Experimente
an Fran von Travis vollziehen.
Gibt es in England überhaupt noch
Radioshows, in denen auch mal die Musik von
Bands gespielt wird, die nicht wie die kommerziell
erfolgreichen 'Indie-Kapellen' daherkommen?
Adam:
Radio 1 ist einer der wichtigsten Sender hier
in England. Die haben aber nur zwei Shows, in
denen am Abend Alternative Music gespielt wird.
In diesen Sendungen werden aber überwiegend
amerikanische Bands gefeatured. Und dann gibt
es natürlich noch John Peel. Seine Radiosendung
ist nach wie vor die Beste. Er spielt ohne Kompromisse
einfach alles.
Anne:
Radio 1 hat auch ein ganz neues Zielpublikum
im Visier. Das Programm soll eher die jungen
Hörer ansprechen. Auf BBC Radio 6 gibt
es noch gute Shows. Den Sender bekommt man mit
einem Digital-Receiver oder über das Internet.

Laßt uns über die Songs
I Didn't Say" und "There You Go"
sprechen.
Adam:
"I Didn't Say" soll ausdrücken,
wie wir uns fühlen, wenn wir unsere Meinung
zurückhalten, obwohl wir etwas zu sagen
hätten. Wir halten uns oft zurück,
da wir Angst haben dass uns niemand zuhört
oder wir nicht wissen, ob wir wirklich recht
haben. Im Rückblick erkennt man aber, dass
man öfter mal das Maul hätte aufmachen
sollen. Man hätte vielleicht einiges in
seinem Leben ändern können. "There
You Go" ist der Punkt zu wissen, wann Schluss
ist.
Sind es Lovesongs?
Adam:
Die Texte sind im Album. Entscheide selbst!
Eure CD "Leave Me Out Of This"
ist als hübsches achtseitiges Digi-Pak
erschienen. Wer hatte diese Idee?
Adam:
Das haben wir uns zusammen ausgedacht. Anne
ist für den Design verantwortlich. Ein
Freund Namens Dave hat die Fotos gemacht. Anders
hätten wir das auch garnicht machen können.
Fiel Garvie ist mehr als nur Musik. Alles gehört
zusammen und darunter fällt natürlich
auch das CD-Artwork. Wir tun unser möglichstes.
Welches deutsche Wort mögt ihr
besonders gerne?
Adam:
Da gibt es so einige schöne Wörter
wie Zeitgeist oder Schadenfreude. Besonders
die langen Wörter wie zum Beispiel Strassenbahnhaltestellen
(?) sind großartig. Die haben damals in
der Schule eine ganze Zeile im Hausaufgabenheft
gekostet. Aber ein Wort, was vom Klang auch
genau beschreibt, was es ist (wenn du Engländer
bist), fällt die Wahl auf...Auspuff!
(bz)
Net: www.fielgarvie.co.uk
