Ein Interview mit Andrea Kerr
Die in London gegründete Band Living With
Eating Disorders besticht vor allem durch die
wundervolle Stimme der Sängerin Andrea.
Neben der charismatischen Frontfrau setzt sich
die Gruppe aus Jared (Keyboards), Mark (Bass/Gitarre)
und Jamie (Drums) zusammen. Das musikalische
Spektrum der Band reicht von atmosphärischen
Popsongs über Trip Hop bis hin zu elektrifizierten
Rock. Selbst John
Fryer war von der Musik der Band so angetan,
dass er die neue Mini-CD "More Than This",
die für Promotionzwecke verwendet wird,
produziert hat. Hoffentlich wird sich dieser
Band bald ein Label annehmen...
Wann habt ihr die Band gegründet?
Unsere ersten Songs haben Jared und ich bereits
im Jahre 2001 geschrieben. Wir haben dann ein
paar Demos aufgenommen, die wir anschließend
an einen guten Freund weitergereicht haben.
Dieser hat uns dann einen Live-Gig angeboten.
Durch unseren Freund haben wir dann in letzter
Minute eine Band zusammengestellt. Wir spielten
unser erstes Konzert im Februar 2002. Daraufhin
gab es einige Wechsel im Living With Eating
Disorders Line-Up. Wir haben dann eine fünfmonatliche
Pause eingelegt um geeignete Musiker zu finden.
Jetzt endlich sind wir komplett.
Kommt ihr alle aus London?
Nein, nur Mark. Ich komme ursprünglich
aus Glasgow und Jared stammt aus Bournemouth.
Jamie ist aus Cambridge. Jared und ich arbeiten
in einem Studio und er war mein erster Kumpel
aus London, als ich dort hinzog.
Woher nimmst du die Inspirationen für
deine Songtexte?
Alle Lyrics werden durch persönliche Erfahrungen
angespornt. Am liebsten schreibe ich, wenn ich
nicht ausdrücken kann, was ich emotional
empfinde. Ich zwinge mich nie etwas zu schreiben.
Es passiert immer genau dann, wenn es passieren
muss. Ich bin ziemlich schüchtern und habe
Mühe, Leuten zu erklären wie ich mich
fühle und dann schreibe ich es nieder.
Einige Texte tauchen in den Songs dann wieder
auf - einige verschwinden für immer. Letzte
Nacht habe ich wieder etwas aufgeschrieben.
Ich wollte etwas sagen aber niemand war da.
So kam es auf Papier.
Sprechen wir ein wenig über eure
Songs.
Okay.
"Never Know"
Dieses Lied ist sehr persönlich. Aber ich
glaube das sind sie alle. Es geht um einen Krankenhausaufenthalt.
Zu dieser Zeit ging es mir nicht sehr gut. Ich
hatte das Gefühl ganz alleine zu sein und
sehnte mich nach jemanden, der mich tröstet
und in den Arm nimmt . Das Stück handelt
aber auch von einem verloren Freund und der
Wunsch den Tag des schlimmen Geschehens rückgängig
zu machen. Ich stellte mir vor, vor der Sonne
zu flüchten. Ich rannte um die ganze Welt
um den Sonnenaufgang zu entfliehen. So würde
der besagten Tag mich nie erreichen.
"Feeling"
Dieser Song ist die Rechtfertigung jemandem
den Laufpass gegeben zu haben. Es ist meine
Art zu sagen, dass ich alles tun würde
damit es so wird, wie es einmal war. Sogar aufhören
ihn zu lieben, nur um besser damit klar zu kommen.
"Menace"
Das Stück heißt zwar "Menace",
aber das Wort habe ich nicht einmal im Songs
selbst benutzt. Das Lied handelt um einen Boy,
der mir während einer Beziehung nie aus
dem Kopf ging. Ich habe mir sehr viele Gedanken
um ihn gemacht. Er war zwar sehr ruhig dennoch
hatte ich das Gefühl, dass er ein gefährlicher
Typ ist, der noch nicht aus sich herausgekommen
war.
Kann man die Promo-CD "Selling
Self Hate" als Album bezeichnen?
Ich würde die CD lieber als unsere erste
Demo-Compilation bezeichnen. Eine Zusammenstellung
älterer Tracks. Die Song-Aufnahmen sind
übrigens im Wohnzimmer entstanden.
Wollt ihr "Selling Self Hate"
veröffentlichen?
In dieser Form nicht. Wir wollen alle Songs
noch einmal mit der kompletten Band neu aufnehmen.
Demnächst nehmen wir erst einmal 4 Songs
neu auf um dann eine selbstfinanzierte offizielle
EP zu veröffentlichen. John Fryer hat sich
angeboten, uns dabei zu unterstützen.

Habt ihr ein eigenes Studio?
Nein. Aber unser Wohnzimmer ist gleichzeitig
eine Art Studio. Dieses Studio teilt sich den
Raum mit dem Fernseher und dem Kaffeetisch.
(GRINST)
Gibt es schon brandneues Material?
Es gibt schon drei neue Lieder: "Lullaby",
"Envy" und "Fading Softly"
(Mini-CD "More Than This"). Zur Zeit
arbeiten wir an weiteren Songs.
Welche Musik hat euch besonders stark
beeinflußt?
Jared und ich haben sehr unterschiedliche Einflüsse.
Ich habe schon immer Gitarrenmusik geliebt.
Als ich klein war, habe ich meinem Vater immer
beim Gitarrenspielen zugehört. Meine Eltern
hörten sehr viel Eagles und Fleetwood Mac.
Ich kann all ihre Texte. Früher sind wir
sehr oft mit dem Auto die Westküste von
Scotland entlang gefahren. Ich lag immer hinten
im Auto und sah aus dem Fenster. Manchmal hat
es geregnet und nachts schaute ich mir den Sternenhimmel
an. Das war wunderschön. Musik und Autos
gehören einfach zusammen. Die ersten Musiker,
die mich in meiner Kindheit persönlich
interessierten waren Kate Bush und David Bowie.
Wenn ein Kate Bush Video lief, habe ich immer
ganz genau aufgepaßt und genauso wie sie
getanzt. Immer wenn ich ein Clip von David Bowie
sah, war ich ganz verwirrt. Ganz verrückt
fand ich "Ashes To Ashes". Das Stück
gehört heute zu meinen absoluten Favoriten.
Bei Living With Eating Disorders bin ich aber
hauptsächlich für die Texte und Vokals
verantwortlich. Jared kümmert sich um den
Rest.
Observiert ihr eigentlich die heutige
Indie-Popszene?
Nicht wirklich. Ich weiß, dass ich es
sollte, habe aber zwischen Beruf und der Band
keine freie Minute zur Verfügung. Ab und
zu sehe ich mir Live-Shows an, kann aber mit
den Schubladen, in denen die Gruppen gesteckt
werden, nichts anfangen. Was ist heute noch
eine Indie-Band?
Was denkt ihr über die Gothic-Szene
in England?
Es steht mir nicht zu sie zu bewerten, da ich
nie ein Teil von ihr war. Eine Zeitlang habe
ich geglaubt, dass unter der Oberfläche
Gothic kreative Ideen nur so sprudeln. Ich fing
an in Gothic-Clubs in Glasgow zu gehen. Damals
hörte ich Bands wie Ministry, Nine Inch
Nails, Front 242 oder KMFDM. Ich selber war
aber nie Teil der englischen Gothic-Bewegung.
Ich finde es sehr schön, wie sich einige
Grufties rausputzen. Wir wurden kürzlich
in einem Gothic-Lifestyle-Magazin als "Goth
friendly" deklariert (LACH, LACH).
(bz/sz)
Fotograf: Richard Mitchell
Net: www.livingwitheatingdisorders.com
