Für Kaycee stellt das Jahr 2003 etwas ganz
besonderes dar. Neben einer musikalischen Neuausrichtung
wurde ein drittes Mitglied in die Band integriert.
Aus dem Duo Kaycee wurde ein Trio. Mit der Sängerin
Jette von Roth fand man eine perfekte Partnerin,
um die zukünftigen Interessen von Kaycee
auszuloten. Ab diesem Zeitpunkt definieren sich
Kaycee nicht mehr als Projekt sondern als richtige
Band. Vor sechs Jahren gründeten Oliver Huntemann
und Stephan Bodzin das Projekt Kaycee. Nach mehreren
uplifting Trance-Veröffentlichungen befanden
sich Oliver und Stephan in einer musikalischen
Sackgasse, die dazu führte, eine neue musikalische
Ausdrucksform zu suchen. Neben Kaycee leitet Stephan
zusammen mit Oliver das 'Super-8-Studio'. Darüber
hinaus hat Oliver sein eigenes Label Confused
Recording, auf dem schon Elektrochemie LK, Stereo
Jack oder Andreas Kauffelt Tonträger veröffentlicht
haben.
Inspiriert von Acts wie Faithless oder Portishead
verknüpfen Kaycee auf ihrem neuen Album "Beg
4 More" eine wundervolle Fusion aus Elektronik,
Techno und anspruchsvollen Popmelodien.
Oliver:
Jette hat ja schon mal vor längere Zeit
ein Track für uns gesungen. Stephan und
ich wollten auf jeden Fall ein Stilwechsel begehen,
weil wir an einem Punkt angekommen waren, wo
nichts neues mehr zu beackern war. Immerhin
arbeite ich mit Stephan schon über neun
Jahre zusammen. Wir haben dann mit vielen verschiedenen
Sängerinnen geprobt. Leider entsprachen
die Musikerinnen nicht unseren Vorstellungen.
Das fiel uns ein, warum suchen, wenn das Gute
so nah ist? Wir haben uns dann mit Jette getroffen
und ein paar Stücke geprobt und das hat
auf Anhieb geklappt.

Die Produktion zu "Beg 4 More"
hat sechs Monate in Anspruch genommen.
Stephan:
Die Zeit kam uns unendlich lang vor. Vor allem
als wir den Wechsel von einem kommerziellen
Trance-Projekt zu einer Band vollzogen haben,
war es sehr hart für uns. Aber ich fand
das auch zwingend notwendig Kaycee ein Gesicht
zu geben. Während der Umstrukturierung
sind etliche Musik-Tracks in den Mülleimer
gelandet. Es hat sehr lange gedauert, bis wir
eine neue musikalische Basis gefunden haben,
mit der wir uns identifizieren können.
Jetzt, mit etwas mehr Abstand, kann man aber
sagen, dass es sich wirklich gelohnt hat. "Beg
4 More" verdeutlicht ganz gut, wie es in
Zukunft weiter geht.
Oliver:
Als wir "Beg 4 More" bei der Plattenfirma
abgeliefert haben, hat man uns mit ganz erstaunten
Augen angesehen. Ein Tag darauf erhielt ich
einen Anruf. An der anderen Leitung hieß
es dann: Die Songs gefallen uns und wir glauben
an eure neue musikalische Ausrichtung.
Stephan: Man muß bedenken, die Record-Company
hat uns damals quasi als 'kommerziellen'
Act gekauft. Es ist schon sehr wichtig, eine
Plattenfirma zu haben, die sich nicht zu stark
in Bandbelange einmischt. In der heutigen Zeit
schon fast eine Seltenheit.
Schreibt ihr die Texte zu den Songs
zusammen?
Stephan:
Wenn wir uns zusammensetzten entstehen schon
die ersten Grundideen. Oliver und ich spielen
minimale Tracks ohne Struktur und Ablauf ein
und reichen diese dann an Jette weiter. Sie
erarbeitet die Texte dann Zuhause.
Oliver:
(GRINST) Zuhause kann man sich eben besser entfalten.
Stephan:
(SCHERZT) Jette ist halt von der alten Künstlerschule.
(ALLE LACHEN)
Oliver:
Wenn wir dann im Studio die Songs neu einspielen
entstehen meistens völlig andere Versionen.
Jette:
Ich bin auch immer ganz gespannt, welche Form
das Stück am Ende angenommen hat.
Stephan:
(SCHERZT) Die Band wird quasi ausgetauscht.
Nur die Sängerin bleibt. (ALLE LACHEN)

Jette hat schon in sehr jungen Jahren
musikalische Erfahrungen sammeln können...
Jette:
Während der Schulzeit war ich Mitglied
in einer Heavy-Rockband. Ich habe aber schon
eine Menge verschiedene Sachen ausprobiert.
Das geht von elektronischer Musik bis hin zu
Jazz.
Oliver Huntemann legt auch unter seinem
Namen in regelmäßigen Abständen
als DJ auf und hat auch schon eine CD-Compilations
veröffentlicht.
Oliver:
Das Auflegen habe ich in diesem Jahr erst einmal
auf ein Minimum runter geschraubt. Wir werden
jetzt erstmals als richtige Band auf Tour sein.
Das sind ganz neue Erfahrungen für uns.
Im nächsten Jahr werde ich dann bestimmt
wieder als DJ aktiv sein.
Stephan:
Oliver ohne Platten? Das kann man sich auch
gar nicht vorstellen!
Oliver: (LACHT) Stimmt schon. Aber Piorität
hat natürlich Kaycee. Wir wollen Anfang
2004 schon mit den Aufnahmen für das nächste
Album beginnen.
Wer kam auf die Idee Joy Division zu
covern?
Stephan:
Das hat sich Oliver ausgedacht.
Oliver:
Wir sind in den achtziger Jahren mit Joy Divison
und New Order aufgewachsen. Das waren natürlich
große Inpirationsquellen für uns.
Stephan:
Wir wollten auf unserem Album ein Coversong,
der dann von uns interpretiert wird. Auf keinem
Fall möchten wir auf diese ganze Cover-Welle
aufspringen. Das war nie unser Absicht.
Oliver:
"Love Will Tear Us Apart" sollte auch
keine Single-Ausskopplung werden. Es ging uns
bei diesem Lied nur darum, ein I-Tüpfelchen
für das Album zu bringen. Letztendlich
fand die Plattenfirma unsere Version so gelungen,
dass sie diesen Song als erste Single veröffentlichten.
Im Gegensatz zum Original ist der Gesang von
Jette nicht ganz so schwermütig. Sie gibt
dem Song, durch ihre Stimme, eine ganz andere
Atmosphäre. Auf der Maxi sind auch die
Remixe von Märtini Brös und Gus Gus
vertreten. Sie haben wirklich sehr gute Arbeit
geleistet. Trotzdem ist der Song nicht unbedingt
für den Club geeignet. Die nächste
Single wird übrigens "The Truth".
Stephan:
Das Stück wird bestimmt auch ganz gut in
den Clubs ankommen.
Die Single "The Truth" erscheint
am 10.11.2003
Kaycee sind zusammen mit Client
und Andy Fletcher
ab Ende Oktober auf Tour.
(bz)
Fotografin: Julia Windhoff
Net: www.kaycee.de
