Ein Interview mit Konrad
und Tomski
Nach etlichen Konzerten, u.a. als Support für
Dance Or Die und Static Icon, diversen Beiträgen
für Szene-Compilations und ihrer Festigung
als Local Heroes in ihrem Heimatland Polen,
veröffentlichten Common Dream in diesen
Tagen nun endlich ihr Debütalbum "Gravitiy".
Konrad, Tomski und Dawid begannen Anfang der
90er mit Instrumentaltracks und konnten zum
Ende des Jahrzehnts hin mit ihrem melodischen
Synth-Pop immer mehr Aufmerksamkeit erlangen,
was sich auch in guten Reviews und Radio-Einsätzen
widerspiegelte. 2001 wurde es dann ernst: Sie
unterschrieben beim polnischen Label Black Flames
Records und steuerten einen Beitrag für
einen Cure Tribute Sampler bei. Zeitgleich begannen
die Arbeiten an ihrem Album, um es nun der Öffentlichkeit
zu präsentieren.
Ihr habt eure Band, damals noch unter
dem Namen "Oxygene", bereits 1991
gegründet. 1996 habt ihr euch dann in "Common
Dream" umbenannt. Warum jetzt erst das
Debüt-Album?
Tomski: Das ist wirklich eine
lange Geschichte. Wir fingen mit 15 an, als
absolute Amateure Musik zu machen. Damals hatten
wir nur Instrumental- und Coverstücke in
unserem Repertoire. Wir hatten nicht das nötige
Equipment, um die Musik zu machen, die wir eigentlich
machen wollten. Wenn man nur eine Yamaha QY10
benutzt, erreicht man nicht viel. (LACHT) Wir
haben uns mit der Zeit entwickelt und unsere
Musik ist nun viel reifer. Es ist genau die
richtige Zeit um unser erstes Album zu veröffentlichen.
Konrad: Ja, es war ein langer
Prozeß. Wir haben keine musikalische Ausbildung,
so das wir uns alles selbst beigebracht haben.
Von Jahr zu Jahr wurde es immer ausgereifter.
Aber wir brauchten viel Zeit, denn zuvor hatten
wir einfach nicht genug gute Songs, um eine
CD zu veröffentlichen. Im Gegensatz zu
unseren Oxygene Zeiten, wo wir nur Instrumental-Songs
machten, arbeiten wir seit der Namensänderung
mit Vocals. Tatsächlich haben wir unseren
Namen geändert, um diese zwei Abschnitte
zu trennen.
Wie kam der Kontakt mit eurem Label
Black Flames zustande?
Konrad: Wir nahmen zwei Demo-CDs
auf und verschickten sie zu mehreren Labels.
Black Flames ist ein polnisches Label, deswegen
war es unkompliziert mit ihnen zu verhandeln.
Wir sprechen die selbe Sprache, leben nicht
weit voneinander entfernt. Das war sehr hilfreich,
da wir zuvor keinerlei Erfahrung mit dem Erstellen
eines Plattenvertrages hatten.
Tomski: Wir verschickten unsere
Demos an alle möglichen Labels rund um
den Globus und waren sehr erstaunt, dass das
erste Label, welches uns geantwortet hat, das
polnische Label Black Flames war.

Erzählt uns ein wenig über
den Arbeitsprozeß während der Entstehung
von "Gravitiy"...
Konrad: Wir hatten ein paar
Songs Monate vor den Aufnahmen des Albums geschrieben.
Aber auf der CD gibt es auch ein paar Songs,
wie "Don't Say Anything", "Someone
Could" oder "Pass It Over", die
schon ein paar Jahre zuvor geschrieben wurden.
Ich hatte sehr viel Spaß beim schreiben
und umsetzen der letzten Songs, da ich finde,
dass sie alle etwas gemeinsam haben, etwas,
was sie als ein Ganzes erscheinen läßt.
Deswegen bezeichne ich sie auch als die 'Haupt-Gravitiy-Songs',
im Gegensatz zu den früheren Tracks: 'A
Kind Of Common Dream History'.
Wo nehmt ihr eure Inspiration für
eure Texte her?
Tomski: Die meisten Lyrics
wurden von unserem Freund Lukasz 'Amal' Amerski
geschrieben. Ich bin mir sicher, er greift beim
Schreiben einfach aus dem Leben. Ich glaube,
dass die Texte sehr persönlich sind. Zur
Zeit schreibt Konrad an neuen Songs.
Konrad: Ich nehme meine Inspirationen
von fast überall her. Aber es muss mich
einfach stark berühren. Ich kann mir nicht
vorstellen, unter Druck zu schreiben, denn dann
würde mir wohl keine einzige Silbe einfallen.
Was entsteht zuerst? Die Texte oder
die Sounds und Melodien?
Tomski: Ich denke, dass zuerst
die Lyrics entstehen. Konrad ist unser Haupt-Songwriter
und er weiß, welche Art von Musik zu den
Texten passt.
Konrad: Dafür gibt es
keine festgelegten Regeln. Manche Texte des
Albums hat Amal geschrieben. So hatten wir schon
etwas fertig und versuchten dann, es in unsere
Musik einzubetten. Aber manchmal schreibe ich
auch etwas und weiß sofort, wie ich das
singen möchte.
Euer subtiler Gebrauch von Gitarren
ist auffällig. Habt ihr schon immer Gitarren
benutzt, oder benutzt ihr sie nur, um euren,
möglicherweise sonst strikt elektronischen,
Sound zu verfeinern?
Konrad: Ich mag und mochte
den Klang von Gitarren schon immer. So wollte
ich schon immer Gitarren für unsere Songs
benutzen. Mittlerweile ist es für uns ein
Muss, da es ein wichtiges Element unserer Musik
ist.
Welches Studio-Equipment benutzt ihr
am liebsten (Synthies, Software, etc.)?
Konrad: Ich mag NordLead sehr
gerne.
Tomski: Ja! Unser neustes Spielzeug
ist der Clavia NordLead 2. Wir haben nicht allzu
viel Ausrüstung. Nur ein paar Synthesizer
und einen PC. Ich persönlich hänge
noch sehr am QY10. Wir haben ihn bis zum Rande
seiner Möglichkeiten genutzt. Man muss
bedenken, dass er nur 31 Instrumente und ein
Drumset enthält. Wir hatten zu der Zeit
keinen PC und konnten nur diesen Minisequencer
benutzen. Andere Synthies waren Yamaha PSS-580,
Roland D20 und Yamaha CS2x. Konrad hat noch
zwei Gitarren, das ist alles. Im Studio benutzten
wir Steinberg Nuendo. Das ist eine ziemlich
gute und leicht zu bedienende Software.

Gibt es Pläne für eine Tour?
Tomski: Ja, für den Herbst
sind ein paar Gigs in Polen geplant. Wir möchten
demnächst auch gerne in Deutschland spielen.
Weihnachten 2001 haben wir dort bereits zwei
Konzerte zusammen mit Melotron gegeben. In Deutschland
gucken sich mehr Leute Bands live an, als in
Polen, wo die Leute meist nicht gewillt sind,
Geld für eine Band auszugeben, die sie
nicht kennen.
Seht ihr euch selber als ein Teil irgendeiner
speziellen Szene?
Konrad: Oft stecken uns die
Leute in die Electro-Pop Schublade, aber ich
weiß nicht, ob es das trifft. Wir machen
einfach unsere Musik und versuchen dabei, unseren
eigenen Stil zu erschaffen. Man merkt schnell,
dass es kein reiner Electro-Pop ist. Ich selber
habe viele Einflüsse, die sich in unserem
Stil widerspiegeln.
Tomski: Es ist sehr schwer,
uns in eine bestimmte Schublade zu stecken.
Unsere ersten Einflüsse kamen von Depeche
Mode und auch unsere ersten Live-Austritte als
Oxygene bestritten wir auf DM-Parties. So kamen
wir in diese Depeche- und Synthpopszene. Es
ist offensichtlich, dass unsere Fans aus diesem
Bereich kommen. Kürzlich sagte uns jemand,
wir würden Pop machen. Vielleicht stimmt
das, aber es ist definitiv Independent Alternative
Pop.
Was denkt ihr über die EU-Osterweiterung
und dem vereinten Europa generell?
Tomski: Ich bin sehr froh,
dass das passiert. Ich mag keine Grenzen oder
Barrieren.
(mk)
Fotos: Strange Ways Medien GmbH/Black Flames
Rec.
Net: www.commondream.pl
