Ein Interview mit
Johannes Marx
Die deutsch - japanische Band Pitchtuner kommt
aus Dresden und besteht aus den Musikern Johannes
Marx (Gesang, Gitarre, Elektronik), Miki Yoshimura
(Gesang und Bass) und Stefan Weiß (Schlagzeug).
die 1999 erstmals von Osaka nach Dresden zog.
Ihre Musik ist eine Symbiose aus Elektro-Funk,
House und britischen Indie-Rock. In diesem Jahr
wurde eine auf 600 limitierte sowie handnumerierte
Vinyl-EP Namens "Wanton Fever" veröffentlicht.
Auf ihrer ausgedehnten Europa-Tour konnte man
sich von ihren Livequalitäten überzeugen.
Wie entstand die Idee zu Pitchtuner?
"Ich sitze jetzt schon seit einigen Jahren
im stillen Kämmerlein und produziere Musik
am laufenden Band. Das macht einsam und es war
an der Zeit, hinauszutreten und die Musik in
die weite Welt zu tragen. Glücklicherweise
traf ich Miki und Stefan. Wir hatten alle das
selbe Ziel: Wir wollen alle die Welt sehen und
unsere Musik soll uns dahin tragen. Ein großes
Ziel, wir wissen das. Zu Beginn wußten
wir noch nicht so recht, wie die elektronischen
Stücke umsetzbar sind. Wir wollten nie
ein 'schrauben und drehen Act' sein. Wir
hatten alle die Vorliebe für elektronisches.
Ein unglaubliches Universum tut sich da auf.
Unsere Vergangenheit hat uns aber gleichzeitig
erfahren lassen, was es bedeutet, so richtig
zu rocken und alle Sicherungen durchbrennen
zu lassen. Das eine schien mit dem anderen nicht
vereinbar zu sein. Das hatte beim Besuch diverser
elektronischer Liveacts zumindest den Anschein.
Bei Pitchtuner sollte das anders sein. Die Vorstellung
von dem Pitchtuner-Sound mußte natürlich
erst mal reifen. Wie kann er umgesetzt werden?
Inzwischen sind wir schon ein ganzes Stück
vorangekommen. Uns als elektronischen Act zu
bezeichnen wäre einfach mal zu kurz gegriffen.
Wir greifen eine Vielzahl elektronischer Elemente
auf, verknüpfen diese abe mit der Macht
der Amps. Es macht wirklich spaß und vor
unseren Liveauftritten können wir getrost
zueinander sagen: Hau' rein, Junge bzw. Mädchen!"
Was hat Pitchtuner am meisten beeinflußt?
"Die wohl schwerste Frage von allen. Eine
kurze Antwort: Sehr geprägt hat mich ein
Liveauftritt von Mouse On Mars vor gut 5 Jahren.
Sie hatten einen Schlagzeuger dabei und die
ganze Sache hat richtig gut funktioniert. Aus
den guten alten Rave-Zeiten haben mich wohl
auch die Happy Mondays am meisten beeindruckt."
Vor kurzem wurde die neue EP "Balmy
Fraction" veröffentlicht. Wie lange
habt ihr daran gearbeitet?
"Die Arbeiten an unserer EP haben recht
lange gedauert. Seit unserer letzten Veröffentlichung
im März 2002 (LP "Flight Up The Windings
Stairs") haben wir an neuem Songmaterial
gearbeitet. Wir hatten im letzten Jahr über
60 Auftritte und das hat unsere Musik ganz schön
geprägt. Wir konnten Lieder auch sofort
beim Auftritt 'testen'. Live merkt man
dann immer noch deutlicher, wir gut ein Lied
ist. Das Publikum hilft einem immer weiter und
man selbst spürt das Lied noch intensiver
als Zuhause, im Studio oder im Proberaum."
Also existieren bereits ein paar neue
Songs?
"Auf der EP sind fünf neue Tracks
und ein Remix von unserem Freund aus Mikis Heimat
Japan. Unsere Stücke haben wir aus einem
Pool von bestimmt doppelt so vielen Liedern
ausgewählt. Wir wollten die EP als ein
homogenes Ganzes wachsen lassen. Songs entstehen
von alleine. Das eine geht in diese Richtung,
das Andere in die Andere. Viel sollte man da
nicht bewußt beeinflussen. Wir hatten
das Glück, auswählen zu können
und so ein Ganzes entstehen zu lassen. "Balmy
Fraction" verdeutlicht, in welche Richtung
wir uns momentan bewegen. Sie ist auch eher
an unserem Live-Sound als die 'alten' Aufnahmen
von vor einem Jahr."

Wer zeichnet sich für welchen
musikalischen Part verantwortlich?
"Die Musik von Pitchtuner wächst meistens
auf meinem Mist. Die Anderen müssen es
immer ausbaden, wenn wir im Proberaum stehen,
um die Lieder umzusetzen. Bis ein Song dann
schließlich steht, vergehen immer noch
einige Wochen im Proberaum, in denen wir über
den Stücken nicht nur meditieren. Zu Beginn
hatten wir auf unseren ersten Auftritten noch
einen DJ und Percussionisten in unserem Live-Lineup.
Wir hatten aber nie vor, Pitchtuner zu erweitern.
Alles immer so unkompliziert als möglich
halten und einfach nur rocken, das ist unser
Motto."
Neben Pitchtuner bist du auch bei der
Band Planet Nine tätig. Hast du genug Zeit
für zwei Gruppen?
"Eine wirklich schwere Sache. Eine doppelte
Liebe sozusagen. Glücklicherweise sind
beide Bands grundauf verschieden. Das bringt
wenigstens immer Abwechslung mit sich und beide
Projekte können gut nebeneinander existieren.
Ich versuche immer blockweise an dem einen oder
anderen so intensiv als möglich zu arbeiten.
So machen beide Seiten Fortschritte. Die größeren
Happen fallen im Moment aber an Pitchtuner ab."
(bz)
